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Lukas Kap. 10

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Lukas-Evangelium Kap. 10


Lk 10,1-16: Jesus sendet 72 Boten aus

Danach aber bestimmte der Herr noch 70 andere und sandte sie je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er selbst kommen wollte. Lk 10:1

Jesus möchte seine Sendung nicht allein erfüllen. Jesus sendet 72 Jünger aus. Sie sollen umherziehen und die Frohe Botschaft verkünden, damit sie möglichst viele erreicht. Die Zeit ist gekommen, seine Jünger in seine Sendung aktiv mit einzubeziehen.Jesus ist nicht ein Meister, der nur Jünger um sich schart und sie belehrt. Er hat eine Sendung, die die ganze Welt, alle Menschen erreichen soll. Diese Sendung möchte er nicht im Alleingang erfüllen, sondern „in Teamarbeit“ mit seinen Jüngern. Zuerst ruft er sie um sich, hat sie eine Zeitlang bei sich, belehrt sie, formt sie; er lässt eine tiefe Freundschaftsbeziehung wachsen. Dann lässt er sie an der Sendung teilhaben. Das Evangelium spricht davon, wie sehr das Herz Jesu dafür brennt, Arbeiter für seinen Weinberg zu finden, denn „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Lorli Pregel

Er sprach nun zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es sind wenige Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende! Lk 10:2

Bei welcher Ernte von Seelen will der Herr mich dabei haben? Vielleicht braucht ein verlobtes Paar Hilfe im Glauben. Vielleicht soll ich einem kranken Verwandten bei der geistigen Vorbereitung auf den Tod beistehen. Es könnte auch ein Jugendlicher in Schwierigkeiten sein, der meinen Rat braucht, um den rechten Weg wieder zu finden. Sie alle brauchen jetzt meine Hilfe. Bin ich bereit, ihnen zu helfen? Edward McIlmail

Lk 10,17-24: Die 72 Boten kehren zurück

Doch nicht darüber freut euch, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber lieber darüber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Lk 10:20

Jesus zeigt ihnen noch eine tiefere Quelle der Freude: Dass ihre Namen im Himmel verzeichnet sind. Die menschlichen Leistungen und Erfolge sind gut und bereichern das Leben. Sie erfüllen jedoch nicht die tiefste Sehnsucht des Menschen. „Ich habe dich in meine Hand geschrieben, du bist mein“ (Jes. 49,16 ). Unsere eigentliche Heimat liegt im Herzen Gottes, das ist der Himmel. Unsere tiefste Freude rührt letztendlich daher: dass wir wissen, dass unser Name in sein Herz eingeschrieben ist, dass er uns erwartet; dass ich eines Tages bei ihm zuhause sein werde. Der heutige Einsatz in seinem Dienst, bringt mich und meine Mitmenschen, denen ich diene, diesem Ziel näher. Lorli Pregel

Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater und wer der Vater ist, weiß niemand als nur der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will. Lk 10:22

Gott selbst ist für den menschlichen Verstand unergründlich. Der Sohn kennt ihn vollkommen und der Sohn hat ihn den schwachen, armen und verachteten Menschen offenbart, die an ihn glauben. Diejenigen, die den Sohn gesehen haben, haben auch den Vater gesehen. MacDonald

Glückselig sind die Augen, die sehen, was ihr seht! Lk 10:23

Kann ich sehen und hören? Sehen und hören wollen ist der erste Schritt, doch nicht der endgültige. Wer Gott sehen und hören will, muss bereit sein, mit dem Herzen zu sehen und zu hören. Das hochmütige Herz ist selbstfixiert und darauf bedacht, die Erkenntnis aus eigener Kraft zu erlangen. Doch die Erkenntnis Gottes, die Erkenntnis der Wahrheit, die Erfahrung der Liebe ist ein reines Geschenk, nicht erarbeitet, sondern empfangen. Nur die Demut kann die Augen und Ohren unseres Herzens öffnen. Sarah Briemle

Lk 10,25-37: Barmherziger Samariter

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit all deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand. Lk 10:27

Die Gottesliebe hat ihren Ursprung im Wohlgefallen, das unser Herz empfindet, sobald es beim Beginn des Strebens nach Gott der göttlichen Güte gewahr wird. Durch den Glauben betrachten wir den unfaßbaren Abgrund der Vollkommenheit Gottes. Wir sehen seine Herrlichkeit entweder in der Gesamtheit aller Vollkommenheiten oder wir betrachten diese einzeln (Allmacht, Allwissenheit, Allgüte etc.). Durch dieses Betrachten wird unser Wille vom Wohlgefallen am höchsten Gut erfaßt. Wir regen dann unser Herz an dieses Wohlgefallen durch Akte der Zustimmung und der Freude zu bestärken. Vermehren und verstärken wir dieses erste Wohlgefallen durch Betätigung der Liebe.

Es ging ein Mensch von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter die Räuber. Die zogen ihn aus und schlugen ihn und liefen davon und ließen ihn halb tot liegen, so wie er war. Lk 10:30

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter hat zwei Ebenen: In der ersten Ebene sind wir der Not leidende Mensch und Jesus begegnet uns in der Person des barmherzigen Samariters, der uns bedingungslos liebt. Welche Not hast du momentan? In der zweiten Ebene sind wir der barmherzige Samariter, der dem Menschen in Not hilft. Wir alle begegnen notleidenden Menschen auf vielfältige Art und Weise: körperliche oder psychische Leiden, Trauernde, Mutlose usw. Aber Vorsicht! Es geht nicht um ein moralisches “Sei ja ein guter Mensch und hilf”, nein, sondern in der Zuwendung zum Nächsten begegnen wir dem Herrn selbst! Es ist Gottesbegegnung! Und der Herr wird uns selbst führen, wo und wie diese stattfinden soll z.B. hat er es heute bei mir so gelenkt, dass ich am Mittwoch bei einer Beerdigung Gitarre spiele. Der Mensch denkt, Gott lenkt!

Nun kam zufällig ein Priester jenes Weges; der sah den Mann, aber er ging vorüber. Ebenso kam ein Levit dorthin; der sah ihn und ging auch an ihm vorüber. Lk 10:31‭-‬32

Der Priester und der Levit, beides Menschen des Tempelkultes, hatten kein Mitgefühl mit dem Menschen in Not. Gerade von ihnen hätte man es ja erwarten können. Oder sie hatten einfach keine Zeit. Auch wir stehen stets in der Gefahr, Heuchler zu sein, zwar viel zu beten, aber für den Notleidenden kein sehendes Herz zu haben. Du kannst die ganze Bibel und die ganze Theologie kennen, aber aus dem Wissen folgt nicht automatisch das Lieben. Es geht vielmehr um ein sehendes Herz. Dieses Herz sieht, wo Liebe not tut und handelt danach. Das Programm des Christen ist das sehende Herz. Es gibt keinen wahren Gottesdienst, wenn er nicht zum Dienst am Nächsten wird.

Die Liebe hat Hände um zu helfen, sie hat Füße, um zu den Armen und Notleidenden zu eilen. Sie hat Ohren, um die Bitten und Rufe der Elenden zu hören. Vor allem aber hat sie ein Herz, das lieben und segnen kann. Augustinus

Ein Samariter aber kam auf seiner Reise in seine Nähe, und als er ihn sah, hatte er Erbarmen. Lk 10:33

Er hatte Erbarmen. Die anderen beiden sahen, aber ihre Herzen blieben verschlossen. Formen wir unser Denken der Logik Christi um, welche die Logik der Liebe ist. Gott ist Liebe und ihm zu huldigen heißt, den Brüdern und Schwestern mit aufrichtiger und großherziger Liebe zu dienen. Es geht um die Universalität der Liebe, die sich dem Bedürftigen zuwendet, dem man zufällig begegnet, wer immer er auch sei. Das sind seltenst heroische große Taten, sondern die Aufgabe ist es, am gegebenen Ort das sachlich im Blick auf die Wirklichkeit Notwendige zu tun und dieses wirklich zu tun. Das ist das Band der Liebe, die uns verbindet (i.A. an Benedikt XVI) Und ich stimme Bonhoeffer zu, wenn er schreibt: Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, daß man für andere Menschen etwas sein kann. Für wen bist du heute etwas?

Er ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf, hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Lk 10:34

Der Verwundete ist der Mensch, also du und ich. Dieser Verwundete war auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho. Jericho steht für das Leben in der Welt, Jerusalem für das himmlische Paradies. Du und ich sind in unserem Leben immer unterwegs zwischen Jericho und Jerusalem. Bei diesem Unterwegssein in unserem Leben werden wir verwundet und angriffen werden. Dafür stehen die Räuber, welche in deinem Leben vielgestaltig sind. Der Priester und Levit, die am Verletzten vorübergehen, stehen für das Gesetz, das uns nicht erlösen bzw. helfen kann.

Er ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf, hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Lk 10:34

Der barmherzige Samariter ist nun Jesus selbst. Er versorgt und heilt deine Wunden. Er goß Wein und Öl in die Wunden. Dieser Wein aber ist das Blut seines Leidens und das Öl der Vergebung. Dann hebt er dich auf sein Lasttier. Das Lasttier ist sein Fleisch, seine Menschwerdung. Auf das Lasttier gelegt werden heiß also: an die Menschwerdung Christi selbst glauben.

Er bringt dich in die Herberge. Die Herberge ist die Gemeinde des Herrn, die uns alle zu Brüder und Schwestern macht. Der Samariter spricht davon, dass er wieder zur Herberge zurückkehren wird. Das aber ist die Wiederkunft Jesu, auf die wir sehnsuchtsvoll warten.

Welcher von diesen dreien ist deiner Meinung nach nun der Nächste dessen gewesen, der unter die Räuber gefallen ist? Er sprach: Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat! Lk 10:36‭-‬37

Die Art und Weise, wie der barmherzige Samariter für den Verletzten sorgte, entspricht der Art und Weise, wie Gott Sünder liebt. Das ist nicht nur Minimalfürsorge, sondern eine vollkommene Hingabe. Jesus ist die lebendige Verkörperung der vollkommenen, grenzenlosen hingebenden Liebe Gottes, die göttliche Barmherzigkeit. Jesus hat sich zu uns niedergebeugt, er hat sich zu unserem Diener gemacht, und so hat er uns gerettet, damit auch wir einander lieben können, wie er uns geliebt hat, auf dieselbe Weise.Wir alle sind aufgerufen, seinen Weg, seinen Spuren nach zu folgen.

Wie verhält sich dein Herz gegen den Nächsten? Liebst du ihn herzlich und aus Liebe zu Gott? Um dies zu erkennen, stelle dir bestimmte unangenehme, mürrische Menschen vor. An solchen übt man bestimmt die Liebe zu Gott im Nächsten; mehr noch bei Menschen, die uns durch Wort und Tat Böses zugefügt haben.

Da sprach Jesus zu ihm: So geh du hin und handle ebenso! Lk 10:37

Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Gott wird unsere Wege und Pläne immer wieder, ja täglich durchkreuzen, indem er uns Menschen mit ihren Ansprüchen und Bitten über den Weg schickt. Wir können dann an ihnen vorübergehen, beschäftigt mit den Wichtigkeiten unseres Tages, wie der Priester an dem unter die Räuber Gefallenen vorüberging. Wir gehen dann an dem sichtbar in unserem Leben aufgerichteten Kreuzeszeichen vorüber, das uns zeigen will, daß nicht unser Weg, sondern Gottes Weg gilt. Bonhoeffer

Da sprach Jesus zu ihm: So geh du hin und handle ebenso! Lk 10:37

Natürlich sollen wir uns den barmherzigen Samariter als Vorbild nehmen. Dennoch erhebt das Gleichnis einen so hohen Maßstab der Nächstenliebe, an dem wir zweifelsohne immer wieder scheitern. Jesus beschreibt hier eine außergewöhnliche Liebe, die keine Grenzen kennt. Somit vermittelt uns das Gleichnis auch dies, dass wir aus uns selbst niemals gerecht werden können, weil wir der Nachahmung des Samariters niemals vollkommen gerecht werden können. Wir erkennen, dass wir auf die Gnade und Vergebung Gottes voll angewiesen sind.

Herr Jesus, wir kommen zu Dir in der Gebrochenheit unseres Lebens und in der Erkenntnis, dass wir noch so wenig in deiner Liebe leben. So bitten wir Dich, gieße in unsere Herzen, in unser Denken und in unser Handeln das Feuer des Heiligen Geistes, dass wir neu zu Boten Deiner Liebe werden.

Lk 10,38-42: Maria und Marta

Eine Frau namens Marta nahm ihn [Jesus] auf in ihr Haus. Lk 10:38

Die Geschichte von Maria und Marta kommt direkt nach dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter, weil sie uns begreiflich machen will, dass Nächstenliebe ohne die Bindung an Jesus ins Leere läuft. Das ist der Kern der Erzählung. Maria und Marta verkörpern hier zwei Seinsweisen. Das Gebet und das Tun, das Hören auf Gott und der Dienst am Nächsten, Aktion und Kontemplation. Beides gehört zum Leben, ist letztlich sogar gar nicht trennbar, wo mein Gebet zum Leben wird und mein Leben zum Gebet. Dennoch: es geht um eine Prioritätensetzung. Wir müssen zuallererst erst Maria sein, d.h. zu Füßen des Herrn sitzen. Wir dagegen sind häufig nur die aktive Marta, abgelenkt und eingenommen durch die Aufgaben des Alltages.

Die Sorge des Dienstes bringe dich nicht von der Erkenntnis des himmlischen Wortes ab. Ambrosius

Marta hatte eine Schwester, welche Maria hieß. Die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seinem Wort zu. Lk 10:39

Maria setzte sich zu Füßen von Jesus. Das ist ein Akt der Demut gegenüber Jesus und in dieser Demut sollen auch wir seine Worte aufnehmen. Es ist ja nicht irgendein Wort, sondern das Wort, das im Anfang war und Gott war und Fleisch geworden ist. Zu den Füßen des Wortes soll es dich immer wieder hinziehen. Ja, du kannst nicht tun, was er dir zugedacht hat, wenn du nicht in konkreter Verbindung mit ihm bist, wenn er dir so unentbehrlich ist, wie zum Leben das Essen, Trinken, Schlafen, Atmen. Bei all den vielen Dingen, die wir zu tun haben, vernachlässigen wir nie das Hören der Worte Jesus!

Schenke es uns, dass wir uns im Innern der Seele eine kleine Zelle bauen können. Sei du darin ganz zugegen. Lass uns, wenn wir unsere Nerven spüren oder uns unglücklich fühlen, dahin flüchten und uns dir anvertrauen. Teresa von Ávila

Marta aber war unentwegt mit der Bewirtung ihrer Gäste beschäftigt. Schließlich kam sie zu Jesus und fragte: Herr, siehst du nicht, dass meine Schwester mir die ganze Arbeit überlässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll! Lk 10:40

Es gefällt Gott, wenn wir uns mühen, uns anstrengen, etwas gut zu machen. Die Unruhe des Geistes, grübelnde Gedanken, dagegen gefallen Gott nicht, denn der Herr möchte, dass wir mit unseren Grenzen und Schwächen Hilfe suchen bei seiner Kraft und Allmacht. Wir sollten schlicht das tun, was in unserer Macht steht. Punkt. Wenn man sich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht, kann man den Rest dem überlassen, der die Macht hat, alles zu tun, was er will. Daher Achtung: Wir dürfen uns nicht im reinen Aktivismus verlieren, sondern müssen uns in unserer Tätigkeit auch immer vom Licht des Wortes Gottes durchdringen lassen und so die wahre Nächstenliebe lernen, den wahren Dienst am anderen.

Überlass dich nicht der Sorge, schade dir nicht selbst durch dein Grübeln. Sir 30,21

Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles. Lk 10:41

Jesus tadelt hier nicht den Martas Dienst am Nächsten, sondern tadelt, dass sie mit zu vielen Dingen beschäftigt ist, die sie durcheinander bringen und vom ihm als Quelle des Lebens wegziehen. Das Tätigsein für den Nächsten wird hier nicht verurteilt, aber dein Tätigsein muss vom Geist der Kontemplation durchdrungen sein. Es geht nicht darum, dass du dich um überhaupt nichts sorgen sollst, sondern um die Befreiung von jeglicher übertriebener Sorge und Ängstlichkeit, in die du eben dann gerätst, wenn du dich der Sache Gottes nicht annimmst.

Nehmen wir uns der Sache Gottes an, dann wird auch Gott an uns denken. Vinzenz Pallotti

Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles. Lk 10:41

Bereite deine Seele jeden Morgen zur Stille vor. Achte darauf, deine Seele am Tag oft zu dieser Stille zu rufen. Sicher werden Dinge passieren, die dich ärgern. Das ist normal. Mache dir deswegen keine Vorwürfe. Nonstop gelassen geht nicht. Unsere innere Unruhe entspringt dem Wunsch, die Ursache des Ärgers zu beseitigen. Dabei verschlimmert aber nichts so sehr das Übel wie Unruhe über den Ärger. Und häufig ist es schwer die Ursache des Ärgers zu beseitigen. Also, so oder so: Beruhige vor allem deinen Geist!

Nur eines aber ist wirklich wichtig und gut! Maria hat sich für dieses eine entschieden und das kann ihr niemand mehr nehmen. Lk 10:42

Was war das Wichtige? In Ruhe bei Jesus verweilen und sein Wort hören! Alles andere wird vergehen, doch sein Wort ist ewig und verleiht unserem alltäglichen Tun Sinn. Sich eng an den Herrn halten, ihn um seine Liebe bitten. Nur aus dieser Haltung sollten wir in die Welt gehen. Wer nur Gott gehört sucht nur ihn und bleibt inmitten all der Widerwärtigkeiten des Lebens in Frieden. So bitten mit den Worten von Chrysostomus: Herr, lehre uns, so zu leben, wie es uns gut tut: uns weder ständig unter die Menge zu mischen, noch die Menge immer zu meiden, sondern beides in nützlicher Weise zu tun. Wir brauchen die Gemeinschaft. Aber die Einsamkeit ist gut, wenn es Zeit ist, Gott anzurufen. Lass uns in beidem ein gutes Maß finden.

Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen. Bonhoeffer

Das Gebet und das Tätigsein sind keine Gegensätze, sondern zwei Aspekte einer Liebe zu Gott. Das Tätigsein eines Betenden entspringt aus seinem Gebet. Alles was er tut, spiegelt die Stille, die aus dem Gebet hervor geht. Bringe daher die Maria und die Marta in deiner Seele in Verbindung, indem du deine Arbeit tust und in der Welt wirkst, aber kehre oft zu Jesus zurück und sage: Mein Herr, ob ich nun laufe oder still stehe, ich gehöre ganz dir und du gehörst mir! Ohne diese Liebe verlieren alle Tätigkeiten ihren Wert. Und diese Liebe drängst uns zum Tun.

Je tiefer jemand in Gott hineingezogen wird, desto mehr muss er auch in diesem Sinn aus sich herausgehen, d.h. in die Welt hinein, um das göttliche Leben in sie hineinzutragen. Edith Stein

Gebet und tätige Liebe

Dazu ist das innere Beten da, dazu dient diese geistliche Vermählung, dass ihr immerfort Werke entsprießen, Werke!“ (7M 4,6) „Glaubt mir, Martha und Maria müssen beisammen sein, um den Herrn beherbergen zu können und ihn immer bei sich zu behalten;“ (7M 4,12) „…denn ob wir Gott lieben, kann man nie wissen (auch wenn es deutliche Anzeichen gibt, um zu erkennen, ob wir ihn lieben), die Liebe zum Nächsten erkennt man aber sehr wohl.“ (5M 3,8) Teresa von Avila

„Der Herr verlangt nur zwei Dinge von uns: Liebe zu ihm und zum Nächsten. Denn ob wir Gott lieben, kann man nicht wissen; aber ob wir unseren Nächsten lieben, das merkt man. Je mehr ihr hierin Fortschritt macht, umso tiefer ist eure Liebe zu Gott.“ (Teresa von Avila)

Drei Arbeitsame waren Freunde. Der eine zog es vor, Streitende zu befrieden. Der zweite, die Kranken zu betreuen. Der dritte ging hin, in der Wüste zu ruhen. Der erste nun plagte sich mit den Streitereien der Menschen ab, konnte nicht alle heilen und fiel in die Traurigkeit. Er ging zu dem, der den half, und fand auch ihn nachlässig, da der es nicht erreichte, seinen Vorsatz zu vollenden. Und die beiden beschlossen hinzugehen, um den zu sehen, der die Ruhe pflegte. Sie erzählten ihm ihre Bedrückung und baten ihn, ihnen zu sagen, was richtig zu stellen sei. Er schwieg eine Weile, gab Wasser in einen Krug und sprach zu ihnen: Beobachtet das Wasser – es war aufgewühlt. Nach einer Weile sprach er wieder zu ihnen: Beobachtet jetzt, wie das Wasser sich gelegt hat. Und wie sie das Wasser beobachteten, sahen sie wie in einem Spiegel ihre Gesichter, und er sprach zu ihnen: So ist es auch, wenn einer inmitten der Menschen ist: Er sieht wegen des Durcheinanders seine Sünden nicht, wenn er aber ruht, dann sieht er seine Fehler.