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Mk Kap. 12

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Markus-Evangelium Kap. 12

Gleichnis von den bösen Bauern Mk 12,1-12

Mt 21,33-46; Lk 20,9-19

Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Wachtturm und verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes. Mk 12:1

Ich beschränke mich heute auf den einen Satz: er ging außer Landes, und verbinde ihn mit dem Gedanken, daß wir Christen den Weinberg, in den der Herr uns gestellt hat, nicht verlassen dürfen. Die Aufgaben innerhalb des umzäunten Bereiches müssen unsere ganze Kraft in Anspruch nehmen: Wir werden in der Kelter arbeiten, wir werden uns nach des Tages Mühe im Turm ausruhen. Ließen wir uns von der Bequemlichkeit leiten, dann wäre es, wie wenn wir Christus entgegneten: Nun, meine Jahre gehören mir, nicht Dir; ich denke nicht daran, mich um Deinen Weinberg zu kümmern. Josemaria

Der Herr hat uns das Leben, unsere Sinne, unsere Fähigkeiten und zahllose Gnaden geschenkt; deshalb dürfen wir nicht vergessen, daß jeder von uns ein Arbeiter unter vielen anderen ist, und daß der Besitzer uns auf seinem Landgut angestellt hat, damit wir an der Aufgabe mitwirken, andere Menschen mit Nahrung zu versorgen. Der umzäunte Bereich ist der Ort unseres Wirkens; dort müssen wir arbeiten, Tag für Tag, und so zum Werk der Erlösung beitragen. Josemaria

Und reiste in ein anderes Land”: Nicht indem er an einen anderen Ort ging, denn von keinem Ort kann Gott abwesend sein. Nur scheinbar geht er von dem Weinberg fort, damit den Winzer die Freiheit gegeben wird, so zu handeln, wie sie es wollen. Hieronymus


Und er sandte zur bestimmten Zeit einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern von der Frucht des Weinberges empfange. Mk 12:2

Die „erwarteten Früchte bestehen nur zu einem geringen Teil aus vorzeigbaren Leistungen. Vor Gott können auch leere und gebundene Hände – wie die ans Kreuz genagelten Hände seines Sohnes – „erfüllt“ und „fruchtbar“ sein. Vor ihm ist auch ein schweres Schicksal, eine unheilbare Krankheit, ja jedes tapfer getragene Leiden eine kostbare Frucht. So hat jeder und jede von uns seine und ihre Art geistiger Fruchtbarkeit. Bitten wir Gott, dass er uns erkennen und vollbringen lässt, was er von uns will und erwartet.


Nun hatte er noch einen einzigen Sohn, seinen geliebten; den sandte er zuletzt auch zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen! Mk 12:6

Jene Weingärtner aber sprachen untereinander: Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbgut uns gehören! Mk 12:7

Und sie ergriffen ihn, töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus. Mk 12:8

Der Gutsbesitzer, sprich Gott, dem der ganze Weinberg, sprich Israel, gehört, schickt wiederholt Knechte, sprich Propheten, zu den Winzern, damit diese ihm den Ertrag abgeben mögen. Die Winzer aber antworten nur mit Gewalt und Totschlag. Sie verweigern dem Gutsbesitzer nicht nur seine Früchte, schlimmer noch, sie schlagen, steinigen und töten seine Boten. Hat nun die Güte des Gutsbesitzers ein Ende? Ist es mit der Gnade Gottes vorbei? Nein! Der Gutsbesitzer sendet seinen eigenen Sohn mit der Hoffnung, dass sie diesen achten und die Früchte bringen, die er von ihnen erwartet.

Wer von uns, liebe Schwestern und Brüder, denkt an dieser Stelle nicht an das vierte Hochgebet der hl. Messe, in dem es sinngemäß heißt: „Als der Mensch Gottes Freundschaft verlor, hat Gott ihn dennoch nicht verlassen. Immer wieder hat er den Menschen seinen Bund angeboten, immer wieder seine Hand ausgestreckt, immer wieder Boten geschickt und die Menschen gelehrt, das Heil zu erwarten. Und seine Liebe war so groß, dass er seinen eigenen Sohn sandte, um zu retten, was verloren war, um die schuldigen Menschen zu erlösen!


Habt ihr nicht auch dieses Schriftwort gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Mk 12:10

Jesus umschreibt diesen Tod mit einem neuen Bild aus dem Psalm: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden …« (Mt 21,42; Ps 118,22). Aus dem Tod des Sohnes sprießt das Leben hervor, entsteht ein neuer Bau, ein neuer Weinberg. Er, der in Kana das Wasser in Wein verwandelte, hat sein Blut in den Wein der wahren Liebe verwandelt und verwandelt so den Wein in sein Blut. Im Abendmahlssaal hat er seinen Tod vorweggenommen und ihn in die Selbsthingabe, in einen Akt radikaler Liebe, verwandelt. Sein Blut ist Hingabe, ist Liebe und darum der wahre Wein, den der Schöpfer erwartete. Auf diese Weise ist Christus selbst zum Weinstock geworden, und dieser Weinstock trägt immer gute Frucht: die Gegenwart seiner Liebe zu uns, die unzerstörbar ist. Benedikt XVI


Juden befragen Jesus über Steuern Mk 12,13-17

Mt 22,15-22; Lk 20,20-26


Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Mk 12:17

Es ist eine Frage, die in unserem Leben nie an Aktualität verliert: Was gebe ich Gott? Ist Er wirklich das Wichtigste in meinem Leben? Wem gehört mein Herz? Wir müssen unser ganzes Wesen Gott weihen, denn sein Ebenbild tragen wir in uns. Während seines ganzen Lebens redet Jesus Christus von der der Möglichkeit zu wählen. Wir sind dazu berufen, uns zu entscheiden, und die Alternativen sind klar: unser Leben nach den Werten dieser Welt oder nach den Werten des Evangeliums auszurichten. Für die Wahl und die Bekehrung ist es nie zu spät, wir können unser Leben immer nach der Dynamik Gottes neu gestalten. Im Gebet wird uns offenbart, was Gott von uns erwartet. Wer sich für Gott entscheidet, wird Ihn in sich tragen.


Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Mk 12:17

Wir müssen Gott geben, was ihm gehört, das heißt den Leib, die Seele und unsere Willenskraft. Diejenige Goldmünze gehört dem Kaiser, die sein Bild trägt. Die Münze aber, die Gott gehört, ist der Mensch, in den das Bild Gottes eingezeichnet ist. Darum gebt euren Reichtum dem Kaiser, euer reines Gewissen aber bewahrt für Gott. (Hilarius)


Juden befragen Jesus über Auferstehung Mk 12,18-27

Mt 22,23-33


Über das wichtigste Gebot Mk 12,28-34

Mt 22,34-40


Ein Schriftgelehrter ging zu Jesus hin und fragte ihn: Welches ist von allen Geboten Gottes das wichtigste?Jesus aber antwortete ihm: Das erste Gebot unter allen ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Herr allein. Mk 12:28-29

Das erste Wort des höchsten Gebots heißt nicht: Glaube! Es heißt auch nicht: Tu dies oder das! Es heißt nicht: Lern erstmal etwas!Es heißt: Höre! Dies sind die Worte mit dem das höchste jüdische Gebet anfängt, das Sch’ma Israel. Höre! Am Anfang der Liebe steht die Hörbereitschaft gegenüber dem einzigen Gott. Für ihn ständig Ohr und Herzen offen zu halten, ist so wichtig und dringlich, dass es aller Anstrengung wert ist. Ist in meinem Leben das Hören auf Gott das Erste?

Beten heißt: auf Wegweisung und Instruktionen hören, mit einem Herzen, das ihm zugewandt ist; es ist ein Gespräch zwischen Vater und Kind. Corrie ten Boom


Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft!Mk 12:30

Was Jesus hier sagt, ist ein wörtliches Zitat aus Deuteronomium (6,4-5). Wie das Herz die innerste Mitte und die treibende Kraft des Menschen ist, so muss die Liebe zu Gott unser ganzes Leben durchdringen, antreiben und bewegen. Gott will den Menschen ganz. Das macht unsere Würde und Größe aus, dass Gott auf unsere Liebe so großen Wert legt. Diese Gottesliebe ist Freundschaft mit Gott. Es ist keine Liebe, die etwas haben will, denn durch die Gottesliebe lieben wir Gott um der Liebe seiner selbst willen, in Anbetracht seiner überaus liebenswerten Güte. Diese Freundschaft ist eine echte Freundschaft, weil sie gegenseitig ist.


Ihr sollt ihn von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit eurem ganzen Verstand und mit all eurer Kraft. Mk 12,30

Gott hat dich erlöst und dich mit ihm versöhnt, damit du ihn liebst: Du bist berufen zur Anbetung. Liebe Gott mit deinem ganzen Herzen. Du wurdest erschaffen, um Gott Freude zu bereiten, deshalb ist es dein Lebensziel, Gott durch Anbetung zu lieben. Gott an erster Stelle: Zum Götzen wird alles, was in meinem Leben wichtiger ist als Gott. Setze Gott an erster Stelle deines Lebens, jeden Tag neu. Darum ist das Gebet unersetzlich, wahrlich, wir können sagen, wer betet ist Gott nahe, wer nicht betet, ist fern von Gott, auch wenn dieser ihm nahe bleibt. Darum bete ihn an! Dazu bist du gerufen. Mein Tagesanfang ohne mein Morgengebet zu Gott ist für mich persönlich unvorstellbar. Das gehört für mich genauso dazu wie jeden Morgen selbstverständlich die Sonne aufgeht.


Ebenso wichtig ist das andere Gebot: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Mk 12:31

Jesus erinnert mich an die Liebe zu den Nächsten. Auch dieses Gebot finden wir schon im alten Testament (3.Mose 19,18). Aber die Liebe ist nun in und durch Christus nicht mehr nur ein Gebot, sondern Antwort auf das Geschenk des Geliebtseins durch ihn, mit dem Gott uns entgegengeht. Dazu gehört so vieles: sich Zeit nehmen für einander, kleine Aufmerksamkeiten, schlichten Freundlichkeiten, gern gegebene Hilfen, wissen, was den anderen freut, ahnen und spüren, was ihm weh tut und was ihn traurig macht, Bereitschaft zur Versöhnung, sich um Geduld bemühen, den anderen ertragen u.v.m. Die Liebe ist wie ein großer Geldschein, der täglich umgewechselt werden will in kleine Münzen.

Herr Jesus, lehre uns zu lieben wie Du geliebt hast. Dass wir nicht lieben um geliebt zu werden, sondern dass wir immer mehr hineinwachsen in die Liebe, die Du uns zeigst.


Ebenso wichtig ist das andere Gebot: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Mk 12:31

Wer sich selber nicht mag, der wird nur schwer ein Freund der Menschen sein. Wenn ich mich selber mit meinen Licht- und Schattenseiten nicht annehme, werde ich Mühe haben andere Menschen anzunehmen, so wie sie sind. Wenn ich mich selber nicht liebe, wie soll ich Gott lieben, der mich geschaffen hat? Nur wer sich selbst als einmaliges Geschöpf Gottes angenommen hat und mag, kann auch andere annehmen und lieben. Selbstliebe meint nicht Egoismus. Beim Egoisten dreht sich alles um die eigene Person, die eigenen Bedürfnisse. Er ist darauf fixiert. So wird er blind und unempfindsam für seine Mitmenschen. Selbstliebe nach dem Evangelium meint etwas anderes. Jeder ist in den Augen Gottes einmalig und wertvoll.


Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Mk 12,31

Gott hat dich erlöst und dich mit ihm versöhnt, damit du ihm dienst: Du bist berufen zum Dienst. Es ist letztlich das praktische Tätigwerden, dass aus der Berufung zur Anbetung, zur Nachfolge und zur Gemeinschaft entspringt. Täglich neu die Ego-Mauer durchbrechen: Durchbreche die Mauer deines eigenen Ego zum anderen hin. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Denke nicht nur an deinen eigenen Vorteil, sondern habe stets das Wohl der anderen im Auge, denn wer in Gottes Augen groß sein will, der soll allen anderen dienen. Es ist für mich einer der Aussagen Gottes in der heiligen Schrift, die mich ehrfürchtig Erstaunen lässt. Gott sagt: Ich bin in dir und ich bin im Nächsten. Gerade im Alltag begegnet mir Gott hier in den unterschiedlichsten Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise und so kann der Dienst auch unterschiedlich aussehen: zuhören, praktisch helfen, Mut zusprechen, Zeit schenken, vergeben u.v.m.


Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden. Mk 12:31

Durch dieses Wort macht Jesus aus den im
originalen Wortlaut selbständigen zwei Geboten der Gottes- und Nächstenliebe eine Einheit. Er verknüpft und bindet die Liebe zu Gott an die Liebe zum Nächsten. Die Nächstenliebe braucht die Verankerung in Gott. Wenn ich mich Gott ganz zuwende, erfahre ich, dass er für mich da ist. Alles, was ich bin und habe, ist sein Geschenk. Ich erfahre mich von ihm geliebt und angenommen trotz meiner Mängel und Schwächen. Aus diesem Beschenktsein heraus werde ich selber zum Schenkenden. Weil Gott mich so wichtig nimmt, dass er von mir geliebt sein will, nehme ich den nahen und fernen Nächsten wichtig und schenke ihm meine Liebe. Das Standbein der Liebe zu Gott gibt mir den Halt und die Kraft, mich für den Nächsten einzusetzen und tätig zu werden.

Wenn der Nächste aus unserer Zwiesprache mit Christus verschwindet, dann hat unsere Gottesliebe nicht den Christus des Evangeliums zum Inhalt. Frère Roger


Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden. Mk 12:31

Gott ist es, den wir lieben und die Liebe zu Gott ist das erste Gebot; aber das zweite entspricht ihm, weil wir Gott die Liebe, die er uns erwiesen hat, nur mittels der anderen zurückschenken können. Es besteht die Gefahr, dass das zweite Gebot zum ersten wird. Hier aber können wir einen Gegentest machen und prüfen, ob wir jeden Menschen lieben, also Christus lieben, Gott in jedem Menschen lieben, ohne Bevorzugung, ohne Kategorien, ohne Ausnahme. Die zweite Gefahr besteht darin, dass wir es nicht zu Stande bringen und auch nicht bringen werden, wenn wir die Nächstenliebe vom Glauben und der Hoffnung abkoppeln. Der Glaube und die Hoffnung erwachsen aus dem Gebet. Ohne Gebet können wir nicht lieben. […] Denn nur der Glaube und die Hoffnung, die durch das Gebet vermehrt werden, vermögen den Weg unserer Liebe von ihrem lästigsten Hindernis zu befreien: die Sorge um uns selbst. Die dritte Gefahr ist die, dass wir nicht „wie Jesus uns geliebt hat“, sondern auf rein menschliche Art lieben. Und das ist vielleicht die größte Gefahr. […] Es ist nicht unsere Liebe, die wir zu geben haben: es ist Gottes Liebe. Die Liebe Gottes, die eine göttliche Person ist, die ein Geschenk Gottes an uns ist, die aber ein Geschenk bleibt, das sozusagen durch uns hindurchgehen, uns durchdringen [durchbohren] muss, um anderswo hinzugehen, um in andere hineinzugehen. Madeleine Delbrêl


Es gibt nur einen Gott und keinen anderen außer ihm. Ihn zu lieben von ganzem Herzen, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft und auch seinen Mitmenschen so zu lieben wie sich selbst. Mk 12:32‭-‬33

Der Schriftgelehrte wiederholt Jesus Worte und spricht so die ehemals zwei Gebote in einem aus. Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst, das ist das allerwichtigste. Darauf kommt es an, wenn dein Leben Sinn und Ziel haben, wenn es erfüllt sein und gelingen soll. Mache uns bewußt, dass wir nicht wegen der Mitmenschen anfangen wollen zu lieben, sondern allein weil wir auf Deine Liebe Antwort geben wollen. Und lass uns aus dieser Erkenntnis heraus hinwachsen, dass wir auch nicht wegen Menschen aufhören zu lieben. Lass uns lieben, weil Du die Liebe bist. Wer danach handelt, kann sich der Zusage Jesus gewiss sein:

Du bist nicht weit von Gottes Reich entfernt. Mk 12:34


Jesus im Gespräch mit führenden Juden Mk 12,35-37

Mt 22,41-46; Lk 20,41-44


Jesus warnt vor den Schriftgelehrten Mk 12,38-40

Mt 23,1-12; Lukas 20,45-47

In der Synagoge sitzen sie am liebsten in der ersten Reihe, und bei den Festen wollen sie die Ehrenplätze bekommen. Mk 12:39

Wahre Größe kann klein sein. Wenn es Menschen genügt, dem Schein nach Geltung zu erlangen, dann besteht die Gefahr, dass sie sich künstlich aufblähen. Etwas abwertend nennen wir sie dann hin und wieder Wichtigtuer. Wenn aber ein Mensch seine Identität vor Gott-Vater kennt und in ihr ruht, dann kann er sich vor anderen klein machen und muss sich nicht aufblähen. Denn vor Gott sind wir die geliebten, geschätzten Kinder voller Würde und Segen. Wir müssen nicht nach Achtung suchen, denn wir haben sie bereits. Wer seine Größe erkennt und erfährt (die Gott ihm schenkt), der kann sich in dieser Welt klein machen. P. Klaus Einsle LC

In der Synagoge sitzen sie am liebsten in der ersten Reihe, und bei den Festen wollen sie die Ehrenplätze bekommen. Mk 12:39

Wer sich eitel und anmaßend verhält, verfehlt das Ziel. Wer maßlos ist und nur auf das eigene Image bedacht ist, verfehlt das Ziel. Wer sich selbst zum Mittelpunkt macht, verfehlt sich selbst und verliert Gott und die Nächsten aus den Augen und dem Herzen. Wer sich nicht für das Zentrum der Dinge hält, ist schon auf dem Weg. Wer von sich selbst absieht, ist schon auf dem Weg. Wer sich selbst riskiert, ist auf dem Weg. Wer ohne Rückversicherung das Letzte hergibt, ist auf dem Weg zum Ziel. Wer von Gott mehr erwartet als von sich selbst, ist auf dem Weg. Solange Jesus redet, ist es einfach, sich für den Weg zu entscheiden, der zum Ziel führt. Solange Jesus weiterspricht, bleibt es einfach und der Weg ist gut ausgeleuchtet. Solange Jesus spricht. Jesus spricht auch heute.


Eine arme Witwe gibt alles, was sie hat Mk 12,41-44

Lk 21,1-4

Jesus setzte sich dem Opfer­kasten gegenüber und schaute zu, wie die Leute Geld in den Opferkasten legten. Und viele Reiche legten viel ein. Mk 12:41

Ich schaue auf den göttlichen Blick Jesus. Er sieht nicht nur die Gesten, sondern auch auf die Herzen derer, die die Gaben darbringen. Worauf Menschen nicht schauen, das sieht allein Gott. Ich denke dabei an mich. Jesus schaut auf mich bis in die Tiefe des Herzens. Er schaut auf mein Herz, und nicht auf äußerliche Gesten. Er weiß darum, dass meine Hingabe an ihn oft kümmerlich und schwach ist. Aber er sieht mein tägliches Bemühen, Hingabe zu leben. Und sind wir untreu, so ist und bleibt er treu.

Unsere Hingabe mag unbeständig sein, Gottes Hingabe niemals. Max Lucado


Dann aber kam eine arme Witwe und warf zwei der kleinsten Münzen in den Opferkasten. Da rief er seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch. Mk 12:42-43

Die Witwe wirft die letzten Münzen, die ihr verblieben sind, in den Opferkasten des Tempels. Aus materieller Hinsicht ist dieses Opfer wertlos, einen Cent gibt sie nach heutiger Rechnung. Aber ihre Tat enthält eine große Lehre. Die Tatsache, dass Jesus seine Jünger zusammen ruft und das betonte “Wahrlich ich sagen euch” erleiht der Handlung der Witwe eine besondere Bedeutung. Hatte Jesus kurz zuvor die Scheinheiligkeit der Schriftgelehrten geradelt, so wird er nun die Hingabe der Witwe als ein Vorbild tiefer Frömmigkeit heraus stellen.

Alle christliche Frömmigkeit ist nur so viel wert, als sie die Hingabe unseres Willens an den Seinen enthält. Albert Schweitzer


Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten gelegt als alle, die eingelegt haben. Mk 12:43

Das ist die Mathematik des Himmels. Die Reichen gaben von dem, was sie zu viel hatten und behielten genug für sich zurück. Die arme Witwe gab von dem, was sie zu wenig hatte, und behielt nichts für sich zurück. Das zeugt von einer großen Liebe und einer tiefen Hingabe an Gott. Das machte ihr Opfer so großartig. Auch heute gilt für uns: Wahres Christentum ist völlige Hingabe und zwar an den Herrn Jesus Christus.

Das innerste Wesen der Liebe ist Hingabe. Edith Stein


Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt. Diese aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt. Mk 12:44

Die Witwe hat von ihrer Armut gegeben, ein schönes Paradox. Meine Hingabe wird dann fruchtbar werden, wenn sie mit Herzen und in ihrer Ganzheit vollzogen wird. Die Witwe aus dem Evangelium gibt alles, sie schenkt sich selbst hin und legt sich in die Hände Gottes für die anderen. Sie allein hat Gott die Ehre gegeben, indem sie nichts für sich zurückbehielt. Sie zeigt, dass es Gott nicht einfach um Gaben geht, sondern darum, dass der Mensch ihm sein ganzes Leben hingibt, sich selbst als Opfer darbringt.


Der Herr verlangt von uns keine großen Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit. Er braucht unsere Werke nicht, sondern allein unsere Liebe. Therese von Lisieux

Die Witwe gibt nicht nur Geld, sie gibt ihr ganzes Leben. Sie gibt sich selbst. Sie gibt sich hin. Sie ist ein Sinnbild für Proexistenz, d.h. des Daseins für andere, die bis zur äußersten Konsequenz geht. So hat Jesus seinen eigenen Tod verstanden und gedeutet. Am Wendepunkt des öffentlichen Wirkens Jesu hin zu seiner Passion steht diese Erzählung über die Witwe, die ihr Leben hingibt. Auf diese Weise wird sie zum Sinnbild für Christus, der sich nun aufmacht sein Leben hinzugeben: Ich gebe mein Leben für die Schafe. Joh 10:15

Im Kern geht es um eine bedingungslose Hingabe an Gott. Hier ist uns die Witwe Vorbild. Für uns ist sie täglich neu zu leben im Glauben und im Gehorsam und mit dem Herzen.

Was mich kümmert und was mich fordert ist das Heute. Das Heute gehört der Gnade Gottes und der Hingabe meines Herzens. Franz von Sales

Hingabe ist: Dem Herrn geben, was ihm gehört. Corrie ten Boom

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