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Matthäus Kap. 06 ✔️

Matthäus Evangelium – Kapitel 6

Beide Kapitel 5 und 6 stehen nicht einfach so nebeneinander. Im Kapitel 5 geht es um das Außerordentliche der Nachfolge: das Leiden in der Liebe des Gekreuzigten, die in der Feindesliebe gipfelt. Im Kapitel 6 dagegen geht es um die verborgene Gerechtigkeit der Nachfolger Christi, die im Kern dahin zielt, dass alles Tun nur im Blick auf den Herrn geschieht. Dies wiederum gipfelt in dem Aufruf zur Sorglosigkeit, denn “der Engel des Herrn umgibt alle mit seinem Schutz” (Ps 34,8). Diese Sorglosigkeit ist nur in einer ausnahmslosen, unbegrenzten Hinabe an den Herrn zu finden ist. Nur wenn wir über uns selbst hinaussehen auf ihn, nur dann wird unser Leben heil werden.

Mt 6,1-4: Über das Geben

Hütet euch davor, eure Frömmigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen. Sonst könnt ihr von eurem Vater im Himmel keinen Lohn mehr erwarten. Mt 6:1

Das Außerordentliche, die Werke der Liebe in Christus, soll nicht geschehen, damit es gesehen werde. Zwar muss es sichtbar werden, aber habt acht, dass es nicht geschieht, damit es sichtbar werde. Kapitel 5 und 6 prallen hart aufeinander. “Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten“ (Mt 5,16) aber: Habt acht auf die Verborgenheit! Aber wem soll das Sichtbare der Nachfolge in den Werken der Liebe denn verborgen sein? Nicht den anderen Menschen, denen ich täglich begegne. Diese sollen das Licht des Jüngers Jesu in mir leuchten sehen, wohl aber dem, der das Sichtbare tut, also mir selbst, soll es verborgen sein. In der Nachfolge Jesu schaue ich allein auf den, der mir voran geht. Tue also deine Werke der Liebe in Christus vor den Menschen, aber stelle dich nicht selbst zur Schau.

Wer etwas um Gottes willen tut, der hat in seinem Herzen niemand anderen vor Augen außer Gott. Chrysostomus

Wenn du einem Bedürftigen hilfst, dann soll deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut. Mt 6:3

Die linke Hand bedeutet die Freude über das Lob, die rechte den Gehorsam gegen Gottes Willen. Wir handeln im Gehorsam (=rechte Hand). Helfen wir jemanden, dann allein aus dem Gehorsam zu Christus und nicht, um Lob und Ehre von Menschen zu bekommen (=linke Hand). Wie häufig aber mischt sich dies eben doch in unsere Motive und Ziele. Wie häufig wollen wir nach außen hervortreten, verlangen nach Anerkennung, Lob oder Bewunderung durch unsere Tat, wodurch die linke Hand von der Tat der rechten Hand weiß.

Widerstehe beim Geben der Versuchung der Eitelkeit: Ich will, dass jeder weiß, was ich tue. Ich will Beachtung finden, wenn ich gebe. Ich will, dass jeder weiß, wie freigebig und gütig ich bin und was für ein großzügiges Herz ich habe. Prüfe beim Geben stets dein Herz. Gebe mit unverfälschten Motiven, einem aufrichtigen Herzen und nicht um von Menschen gesehen zu werden. Dann weiß deine linke Hand nicht, was die rechte tut. Ja: Du sollst dein eigenes Gutes nicht wissen. Sonst ist es wirklich dein Gutes, aber nicht das Gute Christi.

Daher: Verbirg in Demut deine Tat uns suche stets nur Gottes Lob und Ehre in all deinem Tun.

Mt 6,5-15: Über das Gebet

Wenn du beten willst, zieh dich zurück in dein Zimmer, schließ die Tür hinter dir zu und bete zu deinem Vater. Denn er ist auch da, wo niemand zuschaut. Mt 6:6

Dein Gebet ist nicht eine Übung oder fromme Haltung, sondern es ist die Bitte als Kind zum Herzen des Vaters. Das ist der Kern deines Gebetes und darum ist das Gebet niemals demonstrativ und zu Schau stellend weder vor Gott noch vor uns selbst noch vor anderen. Auch wenn ich in meinem Zimmer bete, muss ich darauf achten, mich selbst nicht zum Zuschauer meines Gebetes zu machen, sondern beim Gebet stets im Innersten meines Herzens zu verweilen, denn das echte Gebet ist nichts anderes als der Umgang und die vertraute Zwiesprache mit Gott. Vater, in deine Hände übergebe ich heute meinen Geist!

Gott, dein Vater, ist selber im Verborgenen, und er tut das Seine im Verborgenen, und ihm ist am liebsten, was im Verborgenen geschieht. Bengel

Leiere nicht gedankenlos Gebete herunter wie Leute, die Gott nicht kennen. Sie meinen, sie würden bei Gott etwas erreichen, wenn sie nur viele Worte machen. Mt 6:7

Weder die Formel noch die Anzahl der Worte bewirkt etwas, indem er Gott bei seinem Herzen fasst, sondern nur das Gebet, dass sich durch den Glauben an seinen Sohn Christus an ihn wendet. Gebet ist immer vermitteltes Gebet! Nur durch die Bindung an Christus können wir im Gebet den Vater finden, er ist der Weg zu ihm. Christus ist der alleinige Mittler unseres Gebets. So ist unser Gebet immer auch an sein Wort gebundenes Gebet, d.h. mein eigener Wille, mit meinem Gebet irgendwie mich selbst durch zu setzen, muss sterben. Dann kann ich beten, dass der Wille dessen geschehe, der weiß, was ich bedarf, ehe ich bitte.

Mit zunehmender Nähe zu Gott werden die Worte weniger, einfältiger werden alle Worte. Es ist nicht nötig, daß wir darum bemüht sind, in vielen Worten zu denken und zu beten. Das schweigende Denken und Beten, das nur aus dem Hören kommt, kann oftmals förderlicher sein. Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis ich Gott höre. Sorge dich also nie darum, viele mündliche Gebete zu verrichten. Wann immer du betest und dein Herz zu Gott gezogen wird, lasse deinem Herz freien Lauf und wenn es “nur” ein Vater unser innerlich von Herzen gesprochen ist.

Ein einziges andächtig gebetetes Vaterunser ist besser als viele, die man hastig und gedankenlos herunterleiert. Franz von Sales

Unser Vater im Himmel! Mt 6:9

Dieses “Unser Vater” ist so wichtig! Nur in diesem “Wir” hören wir das Wort Gottes richtig. Das kann auch bedeuten, auf die anderen Stimmen des Herrn zu hören, ja uns auch leiten zu lassen von anderen Menschen, die Erfahrung mit Gott haben und uns auf diesem Weg helfen. So wächst die Fähigkeit in den Tausenden von Stimmen heute die Stimme Gottes zu vernehmen, der immer gegenwärtig ist und immer zu uns spricht.

Der Herr lehrt uns, gemeinsam für unsere Brüder zu beten. Denn er sagt nicht: “Mein Vater im Himmel”, sondern: “Vater unser”, damit unser Gebet wie aus einer Seele für den ganzen Leib der Kirche eintrete. Chrysostomus

Meint ihr, für eine ausgegossene Seele liege nicht viel daran, zu sehen, daß sie nicht in den Himmel zu gehen braucht, um mit ihrem Ewigen Vater zu sprechen? Sie braucht nur ihn in großer Demut wie einen Vater anzusprechen, wie einen Vater zu bitten, es sich wie bei einem Vater gutgehen zu lassen. Theresa von Avila

Geheiligt werde dein Name. Mt 6:9

Durch unser Leben können wir den Namen Gottes heiligen. Wenn der Mensch in der Nachfolge Jesus lebt und seinem Gebot der Liebe folgt, dann wird Gottes Name in der Welt geheiligt. Gottes Name wird sichtbar im Menschen, der sich nach seinem heiligem Willen richtet.

Wer betet: Geheiligt werde dein Name spricht zu Gott etwa in diesem Sinn: Hilf mir mit deiner Gnade, dass ich untadelig, gerecht, gottesfürchtig werde, ein Mensch, der sich jeder schlechten Tat enthält, der die Wahrheit redet, Gerechtigkeit übt, in Ehrlichkeit wandelt, durch Keuschheit leuchtet, mit Weisheit und Mäßigung sich schmückt, nach dem trachtet, was oben ist, das Irdische gering achtet, ein engelgleiches Leben führt. Gregor von Nyssa

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Mt 6,10

Gott soll unsere Entscheidungen bestimmen nicht unser Eigenwille. Der Wille Gottes möge in uns geschehen. Das Beten um das Geschehen des Willens Gottes ist ein Ringen mit dem Vater, dass ich nicht weiter meine Vorstellungen durchsetzen will, sondern dass Gottes Bild von mir und meinem wahren Wesen erkennbar und in mir verwirklicht wird. Die Bibel zeigt auf, wie Jesus dem Willen des Vaters gegenüber gehorsam ist. Die Bitte, dass Gottes Wille geschehe, ist daher auch ein Weg zur innigen Gemeinschaft mit Jesus. Wir bitten darum, dass wir uns wie Jesus auf Gottes Willen einlassen können. Mit Faustinas Worten: Alles, was auf mich zukommt, nehme ich als Gabe des liebenden Willens Gottes an, der aufrichtig mein Glück will.

Sehen wir die Menge innerer und äußerer Güter, wie auch die so große Zahl innerer und äußerer Leiden, die die göttliche Vorsehung in ihrer überaus heiligen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit uns bereitet hat. Öffnen wir die Arme unserer Einwilligung und umfangen wir all das ganz liebevoll, fügen wir uns dem heiligsten Willen Gottes und singen wir Gott in einem Hymnus ewiger Einwilligung: Dein Wille geschehe! Ja, Herr, Dein Wille geschehe auf Erden, wo es keine Freuden ohne Beimischung irgendeines Schmerzes gibt, keine Rosen ohne Dornen, keinen Tag ohne darauffolgende Nacht, keinen Frühling ohne vorhergegangenen Winter.

Der Wille Gottes ist das, was Christus tat und lehrte. Cyprian von Karthago

Uns ganz in die Hände des Schöpfers zu überantworten, unseren Willen dem seinen zu unterwerfen, uns von den geschaffenen Dingen zu lösen. Das also ist die vollkommene Kontemplation. In ihr braucht es keine Anstrengungen und keine Wissenschaft von unserer Seite. Es reicht, wenn wir sagen: Dein Wille geschehe! Verfüge über mein ganzes Sein, wie es deinem Willen entspricht, als sei es schon ganz dir übereignet. Dein bin ich, von dir geschaffen, dein, weil du mich erlöst, dein, weil du mich geduldet hast, dein, weil du mich gerufen, dein, weil du mich erwartet hast, dein bin ich. Sag, was hast du vor mit mir? Teresa von Ávila

Gib uns heute unser tägliches Brot. Mt 6:11

Glaube ist keine Sache, die man anfängt und dann für immer hat. Glauben empfangen wir von Gott immer nur so viel, wie wir für den gegenwärtigen Tag gerade brauchen. Der Glaube ist das tägliche Brot, das Gott uns gibt. An uns liegt es diesen Glauben im Vertrauen anzunehmen. Vertrauen muss eingeübt werden. Immer wieder neu. Nur so kann es wachsen. Allerdings kannst Du nicht einfach beschließen, von heute an zu vertrauen. Vertrauen muß wachsen. Mein Glaube wurde vor allem durch Erfahrungen gestärkt, wo ich das ganz konkret im Kleinen wie im Großen erlebt habe. Durch die Erinnerung daran, wächst und vertieft sich mein Glaube.

Diese Bitte kann wörtlich verstanden werden. Seien wir dankbar, für die Nahrung, die uns am Leben erhält. Lasst uns nie um Reichtum beten. Und seien wir immer ganz im heute und hüten uns vor der Sorge des Morgens.

Diese Bitte kann ebenso geistig verstanden werden. Christus ist das Brot des Lebens. Wir bitten darum, dass wir eins mit ihm seien, dass er sich uns selbst jeden Tag neu gibt.

Dass uns Christus, das Brot des Lebens täglich zuteil werde, darum bitten wir, damit wir, die wir in Christus sind und seine Eucharistie täglich empfangen, vom Leib Christi nicht getrennt werden. Cyprian

Der den Tag dir gibt, der gibt dir auch das, was zu dem Tage gehört. Gregor von Nyssa

Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. Mt 6:12

Für den Frieden ist es unerlässlich, immer wieder zu vergeben, so dass Vergangenes uns nicht weiter belastet. Leben ist Gegenwart und diese beinhaltet stets die Chance zum Neubeginn. Vergebung ist Freiheit von allem, was vergangen ist. Die Versuchung ist groß, Zorn, Hass und Wut auf andere aufrecht zu erhalten. Es erscheint so einfach, alles auf die anderen zu schieben. Einfach mag es ja sein. Nur leider wird man auf diesem Wege nicht sonderlich glücklich. Nein, du hast die Verantwortung, den Weg zur Vergebung zu gehen, indem du Vergangenes los lässt, es emotional belanglos wird, es flach wird wie ein Bild in deinem Fotoalbum. Dann kehrt wirklicher Frieden ein.

Die Bitte um die Vergebung führt uns auch tief hinein in das Geheimnis Jesu Christi. Jesus selbst hat Menschen die Vergebung der Sünden zugesprochen. Er hat Sünderinnen und Sündern immer wieder Mut gemacht, an Gottes Vergebung zu glauben. Am Kreuz wird Gottes vergebende Liebe für uns am klarsten sichtbar. Die Bitte Jesu am Kreuz ermöglicht es uns, unseren Brüdern und Schwestern zu vergeben. Wir können mit Jesus für sie beten: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Dann werden wir ihnen ihr Tun nicht mehr vorwerfen. Wir spüren dann, dass sie in der Tiefe ihres Herzens nicht gewusst haben, was sie uns mit ihren Worten oder ihrem Verhalten angetan und wie sehr sie uns verletzt habe. Anselm Grün

Verletzungen erzeugen Schmerz oder Wut. Solange dieser Schmerz, diese Wut in dir steckt, ist Vergebung nicht möglich. Vergebung steht immer am Ende der Wut und nicht am Anfang. Der Schmerz und die Wut muss gefühlt werden und darf nicht verdrängt werden: wir sind Menschen! Gefühle lassen sich nicht kontrollieren und bestimmen. Vergebung kann oft ein längerer Weg sein, wo sich Schmerz und Wut in Empathie und Liebe verwandelt. Nur dann kann sich echte Vergebung ereignen. Echte Vergebung ist es, wenn man an die andere Person denken und sich erinnern kann ohne Ärger, Zorn, Bitterkeit, Schmerz, Tränen, ohne ihr etwas nachzutragen.

Welch eine Beifeiung ist es, wenn man vergeben kann. Corrie Ten Boom

Errette uns von dem Bösen. Mt 6:13

Wer ist gemeint mit Erlöse uns von dem Bösen? Mit dem Bösen im Vaterunser ist nicht eine negative geistige Kraft oder Energie gemeint, sondern der Böse in Person, den die Heilige Schrift unter den Namen Versucher, Vater der Lüge, Satan oder Teufel kennt. Niemand wird leugnen, dass das Böse in der Welt von verheerender Gewalt ist, dass wir von teuflischen Einflüsterungen umgeben sind, dass in der Geschichte oft dämonische Prozesse ablaufen. Nur die Heilige Schrift nennt die Dinge beim Namen: „Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt“ (Eph 6,12). Die Vaterunser-Bitte, vom Bösen erlöst zu werden, trägt das ganze Elend dieser Welt vor Gott und fleht darum, dass Gott, der Allmächtige, uns von allen Übeln befreit, wie es auch im Embolismus zum Ausdruck kommt

Zitate zum Vater unser

Es ist unmöglich, das Vaterunser zu sprechen und dabei auf jedes Wort die ganze Aufmerksamkeit zu richten, ohne dass in der Seele eine vielleicht unendlich kleine, aber tatsächliche Veränderung bewirkt wird. Simone Weil

Welch erhabene Vollkommenheit liegt in diesem Gebet! Wie sehr erkennt man darin die göttliche Weisheit dessen, der es verfasst hat! Wie dankbar müssen wir dafür sein! Es reißt mich zur Bewunderung hin, wie es in so wenigen Worten alles enthält, was zur Vollkommenheit und Beschauung gehört. Teresa von Ávila

Je länger man das Vaterunser betet, je mehr sieht man ein, wie wenig man es versteht, und wie wert es ist, verstanden und bedacht zu werden, um unbekannten Schätzen auf die Spur zu kommen. Matthias Claudius

Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben. Mt 6:14

Ein Bruder hatte sich etwas zuschulden kommen lassen. Als er nun von seinen Brüdern deswegen gescholten wurde, ging er fort. Die Brüder aber folgten ihm nach, um ihn zurückzuholen und begannen, ihm seine Vergehen von neuem vorzuhalten. Er aber bestritt seine Schuld nicht. Da gesellte sich ein Altvater zu ihnen, der erzählte ihnen folgendes Gleichnis: Ich sah am Flussufer einen Mann bis zu den Knien im Schlamm stecken. Und als einige kamen, um ihn mit hingestreckter Hand herauszuziehen, sanken sie selbst bis zum Halse ein. Betroffen von seinen Worten taten die Brüder Buße und riefen den, der davongegangen war, in ihre Gemeinschaft zurück. Apophthegmata

Mt 6,16-18: Über das Fasten

Wenn du fastest, dann pflege dein Äußeres so, dass keiner etwas von deinem Verzicht merkt außer deinem Vater im Himmel. Mt 6:17‭-‬18

Fasten bedeutet nicht nur leiblicher Verzicht, wahres Fasten bedeutet sich vom Bösen fernzuhalten, Verzicht darauf, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, Verzicht darauf, ständig recht haben zu wollen u.v.m. und dieser vielerlei Verzicht geschieht nur für und in Christus. Er sieht es. Es ist stets ein freiwilliger Verzicht. Gott respektiert unsere Freiheit und so ist Fasten nie aufgezwungen, sondern von uns selbst gewählt. Darin besteht wie beim Beten und Helfen die Gefahr, sich selbst darin zu gefallen vor anderen und vor sich selbst. Der eigene Stolz ist einer der größten Stolpersteine im geistlichen Leben. Wo vezichtest du um Jesu Willen?

Mt 6,19-24: Über das Geld

Häuft in dieser Welt keine Reichtümer an! Sie werden nur von Motten und Rost zerfressen oder von Einbrechern gestohlen! Mt 6:19

Löse dich von den Reichtümern der Welt, seien sie nun materieller Natur, wie Geld und Besitz oder seien sie immaterieller Natur, wie Macht oder Eitelkeit. Halte dir immer wieder vor Augen, daß es nicht darum geht, ob einer dies hat oder jenes nicht hat, sondern darum, daß wir im christlichen Glauben leben, der uns lehrt, daß all diese Dinge vergänglich sind. Wenn ein Mensch sein Glück ausschließlich in den Dingen dieser Welt sucht, wird er das Glück nicht finden.

Das gilt runter zu brechen ins Konkrete. Beispiel: Wenn ich bei der Arbeit durch einen Mitarbeiter durch Worte verletzt werde, meine Ehre dadurch angegriffen wird (=Gut dieser Welt), kann ich ihn sicherlich auf sein Verhalten hinweisen, aber innerlich fühle ich keinen Groll, weil dieses Gut der Welt (=die eigene Ehre) immer unbedeutender für mich wird, weil ich Ehre finde beim Herrn, was mein wahrer Reichtum ist. Die Welt hat im Vergleich zu den Reichtümern Christi wenig zu bieten.

Sammelt euch Schätze im Himmel. Mt 6,20

Ein einziger Schatz genügt nach dem Willen dieses göttlichen Liebhabers nicht. Er will, daß wir viele Schätze besitzen, daß unser Schatz aus vielen Schätzen bestehe. Das will heißen, daß wir ein unersättliches Verlangen haben sollen, Gott zu lieben, um immerfort Liebe auf Liebe zu häufen. Was treibt die Bienen mehr an, ihren Honig zu vermehren, als die Liebe, die sie zu ihm haben? Fühlen wir in uns das Verlangen nach der heiligen Liebe, so wissen wir, daß wir zu lieben beginnen. Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe.

O lieben! O voranschreiten! O sich selbst sterben! O zu Gott gelangen! Augustinus

Was ist dein größtes Ziel im Leben? Was ist dir letzten Endes am allerwichtigsten? Jesus macht durch seine ernsten Worte deutlich, worauf unser Leben im Letzten hinausläuft, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht: auf Gott und auf das ewige Leben! Wenn das so ist, dann bekommen sogar unsere kleinsten Entscheidungen Gewicht. Dann sollten wir uns oft bewusst machen, dass unser Leben dazu dient, dass wir uns auf die Ewigkeit vorbereiten. Die Frage des heiligen Domenico Savio kann uns da konkret helfen. Er hat sich vor jeder Entscheidung gefragt: Was nützt mir das für die Ewigkeit?

Wo nämlich euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Mt 6:21

Unser Herz sucht wie ein Kompass Orientierung und richtet sich auf das aus, was es liebt. Viel zu häufig hängt es an weltlichen Schätzen und so treten diese zwischen mich und Gott. Wo mein Schatz ist, woran sich mein Herz hängt, da ist mein Vertrauen, meine Sicherheit, mein Trost, mein Gott. Der Schatz ist Abgötterei. Alles, was dich hindert, Gott über alle Dinge zu lieben, was zwischen dich und deinen Gehorsam gegen Jesus tritt, ist der Schatz, an dem dein Herz hängt. Wir aber glauben dem “Ich-bin-da”, dem Fels Christus, dem Herr, unserem Schatz, dem wir ähnlich werden wollen.

Man muss sein Kreuz tragen und nicht schleppen, und man muss es wie einen Schatz fassen, nicht wie eine Last. Durch das Kreuz allein können wir ja Jesus ähnlich werden. François Fénelon

Das Auge ist die Leuchte des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Mt 6:22

Dein Auge ist ein Spiegel deiner Seele. Die Augen sind die Fenster der Seele. Lauter bedeutet rein, unvermischt und ungetrübt. Unser Auge, unsere Seele blickt rein und unvermischt immer nur Christus an und auf das Licht, das von ihm kommt. Die Lauterkeit des Auges und des Herzens entspricht jener Verborgenheit, die von nichts weiß als von Christi Wort und Ruf, die in der völligen Gemeinschaft mit Christus besteht. Unser inneres Auge ist klar, wenn die Blickrichtung stimmt: Christus

Blicke heute immer wieder mitten im Alltag, mitten im Gespräch, mitten in den Alltagsaufgaben lauter und einfältig auf Christus und sprich das JA DES GLAUBENS

Wenn deine Augen aber durch Neid oder Habgier getrübt sind, ist es dunkel in dir. Mt 6:23

Schaust du manchmal neidisch oder gierig auf andere? Wenn nicht, dann freue ich mich mit dir. Ich gehöre nicht dazu. Bei mir sind es gar nicht materielle Dinge, bei denen ich in diese Versuchung tappe, sondern meist betrifft es die Charaktereigenschaften des andern: wau kann der reden, mann ist der witzig … so wäre ich gerne auch. Ertappe ich mich dabei, kann ich das mit Gottes Kraft schnell wieder gerade rücken. Denn diese neidischen Vergleiche sind nicht gut. Ich will mehr und werde im Anhaften an dieses Begehren unfrei. Gott möchte keine Kopien, er möchte das Original: dich!

Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon! Mt 6:24

Stell dich selbst, deine Fähigkeiten, dein Geld u.v.m. Gott zur Verfügung. Er kann damit weit mehr anfangen als du selbst. Hänge dein Herz an alledem nicht an. Hat du dein Herz ganz bei Gott, dann ist es klar, dass du nicht für ihn und zeitgleich für etwas anderes leben kannst. Kinder und Diener Gottes sind wir, das ist der tiefste Kern unserer christlichen Seele.

Die Logik der Welt treibt uns zum Erfolg, zur Herrschaft und zum Geld; die Logik Gottes zur Demut, zum Dienen und zur Liebe. Franziskus

Es gibt einen Reichtum, der allen, bei denen er sich findet, den Tod bringt; sein Verlust aber bringt Heil. Von diesem Reichtum muss man die Seele rein, das heißt arm und frei machen und danach das Wort des Herrn hören: Komm, und folge mir nach! Denn nun wird er selbst der Weg für den, der reinen Herzens ist; in ein unreines Herz dagegen zieht die Gnade Gottes nicht ein; unrein ist aber ein Herz, das reich an Begierden ist und schwanger geht mit vielen irdischen Lüsten. Wer dagegen Vermögen und Gold und Silber und Häuser als Gottes Gaben besitzt und damit Gott, der es gegeben hat, zum Wohl der Menschen dient, und sich dessen bewusst ist, dass er all dieses mehr seiner Brüder als seiner selbst wegen besitzt; wer Herr seines Vermögens, nicht ein Sklave seines Besitzes ist, und ihn nicht in seinem Herzen trägt und ihn nicht zum Ziel und Inhalt seines Lebens macht, sondern immer auch ein edles und göttliches Werk zu vollbringen sucht; wer fähig ist, wenn er einmal seiner Güter beraubt werden sollte, auch ihren Verlust mit Gemütsruhe zu ertragen ebenso wie den Überfluss an ihnen: Wer alle diese Eigenschaften hat, der wird vom Herrn selig gepriesen und arm im Geiste genannt, würdig, ein Erbe des Himmelreiches zu werden. Clemens von Alexandrien

Mt 6,25-34: Über Sorgen

Sorgt euch nicht um euer Leben. Mt 6:25‭

Und dennoch tut es doch einer jeder von uns immer wieder. Das ist menschlich. Wichtig ist nur immer wieder im Sinne eines Warnschildes zu erkennen, das dies nichts Gutes ist, wir täglich neu der inneren Sorge das Vertrauen entgegenstellen müssen. Wir wollen durch Sorge sorglos werden, aber in Wahrheit erweist sich das Gegenteil. Sorge ist der größte Tyrann und wenn sie nicht immer wieder entsorgt wird, wird sie die Seele verseuchen. Gott ist die eigentliche Befreiung von der Sorge des Menschen. Der Herr ist unser Lastenträger. Auf ihn müssen wir all unsere Sorgen werfen.

Der Glaube endet, wo die Sorge anfängt. Corrie Ten Boom

Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! Mt 6:33

Die Gemeinschaft Jesu und der Gehorsam gegen sein Gebot kommt zuerst, alles andere folgt nach! Das Reich Gottes ist wichtiger als alles andere, wichtiger als ich selbst und mein Glück. Alles zu wollen, was Gott will, es immer zu wollen, bei allen Gelegenheiten und ohne Einschränkungen, das ist das Reich Gottes, das ganz innen ist. Darum sorge dich nicht um dein eigenes Glück, sondern setze dich ein für die Dinge Gottes. Das befreit vom Ich. Und nur in der Befreiung von unserem eigenen Ich können wir umso mehr dafür einsetzen, dass sein Wille geschieht.

Die Gleichförmigkeit unseres Herzens mit Gottes geoffenbartem Willen besteht darin, daß wir das alles wollen, was die göttliche Güte als ihre Absicht offenbart, daß wir glauben, was sie lehrt, erhoffen, was sie verspricht, fürchten, was sie androht, lieben und tun, was sie befiehlt und verlangt. Durch seinen Willen verlangt Gott, daß wir das tun, was er uns sagt. Er gibt uns alles dazu, was wir brauchen, mahnt und drängt uns, dies auch zu verwenden. So treibt er uns dazu an, mahnt uns, muntert uns auf, regt uns dazu an, hilft und unterstützt uns. Unsere Liebe aber gibt das Herz ihm hin und weiht es ihm mit inniger Liebe. Die Liebe des Wohlwollens, die Gott alles unterwerfen will, unterwirft folglich unser Verlangen und Wollen dem geoffenbarten Willen Gottes.

Treue Hingabe an den Willen Gottes immer und überall, in allen Angelegenheiten und Lebensumständen, gibt Gott große Ehre. Eine solche Hingabe an den Willen Gottes hat in seinen Augen mehr Gewicht als langes Fasten, Abtötungen und strengstes Büßen. Oh, wie groß ist der Lohn für einen Akt liebender Hingabe an den Willen Gottes! Eine Gott liebende Seele, die in ihm versenkt ist, geht ihrer Pflicht mit derselben Einstellung nach, wie zur heiligen Kommunion und verrichtet die geringste Tätigkeit mit großer Sorgfalt, unter dem liebenden Auge Gottes. Sie ist nicht verwirrt, wenn sich nach einiger Zeit eine Sache als weniger geglückt erweist. Sie bleibt ruhig, denn während ihres Handelns hat sie alles getan, was in ihrer Macht war. Faustyna

Deshalb sorgt euch nicht um morgen – der nächste Tag wird für sich selber sorgen! Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten mit sich bringt. Mt 6:34

Sorge ist immer auf das Morgen gerichtet. Der Gedanke an das Morgen liefert mich der Sorge aus. Wer dagegen das Morgen ganz in die Hand Gottes legt und das Heute offen empfängt, der lebt und ist in Gott. Das tägliche Empfangen macht mich frei vom Morgen. Versuche daher deine Sorgen loszulassen. Zerbreche dir nicht ständig den Kopf über vielerlei Dinge. Was soll ich machen? Warum ist dieser Mensch so? Bin ich gut genug? Was denkt der andere von mir? Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ohne Furcht und Sorge jeden Tag bereit sein zu gehen – das ist die Haltung, die uns praktisch aufgezwungen ist und die tapfer durchzuhalten nicht leicht, aber notwendig ist.

Haben Sie doch keine Sorge um das Morgen. Denken wir nur daran, das Heute gut zu machen. Und wenn der morgige Tag kommt, heißt auch er wieder heute und dann werden wir an ihn denken. Auch darin müssen wir großes Vertrauen und große Hingabe an die Vorsehung Gottes haben. Wir sollen Vorräte an Manna nur für einen Tag und nicht für länger anlegen. Zweifeln wir doch nicht daran, Gott wird morgen und übermorgen und alle Tage unserer irdischen Wanderschaft neues Manna regnen lassen. Franz von Sales