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Matthäus Kap. 27 ✔️

Matthäus Evangelium – Kapitel 27

Mt 27,1-2: Hoher Rat verurteilt Jesus

Mk 15,1; Lk 22,66-71

Als es aber Morgen geworden war, hielten alle obersten Priester und die Ältesten des Volkes einen Rat gegen Jesus, um ihn zu töten. Mt 27:1

Die dritte Phase des religiösen Prozesses fand am Morgen vor dem Hohen Rat statt. Kein Fall durfte am gleichen Tag abgeschlossen werden, an dem er begonnen worden war, es sei denn, der Angeklagte wurde freigesprochen. Ehe das Urteil verkündet wurde, sollte eine Nacht vergehen, damit sich in der Zwischenzeit Gefühle der Gnade regen konnten. In diesem Fall scheint es so, als ob die religiösen Führer jede Regung der Barmherzigkeit ausschließen wollten. Immerhin kamen sie zu einer morgendlichen Sitzung zusammen, um ihrem Urteil auch Gültigkeit zu verleihen, denn nächtliche Prozesse waren verboten.

Mt 27,3-9: Judas erhängt sich

Dann lief er fort und erhängte sich. Mt 27:5

Jesus wird von Judas verraten. Nur kurz später erkennt Judas seine Sünde. Das Licht Jesus in ihm war noch nicht ganz erloschen. Aber seine zweite Tragödie nach dem Verrat ist es, dass er nicht mehr an Vergebung zu glauben vermag. Seine Reue wird zur Verzweiflung. Er sieht nur noch sich und seine Finsternis, nicht mehr das Licht Jesu, das auch die Finsternis erhellen und überwinden kann. Er bringt sich um. Reue, die nicht mehr hoffen kann, sondern nur noch das eigene Dunkel sieht, ist zerstörerisch und ist keine rechte Reue. Zur rechten Reue gehört die Hoffnungsgewissheit, die aus dem Glauben an die größere Macht des Lichtes kommt, das in Jesus Fleisch geworden ist.

Mt 27,11-14: Jesus vor Pilatus vor Gericht

Mk 15,2-5; Lk 23,1-5; Joh 18,28-38

Jesus aber stand vor dem Statthalter; und der Statthalter fragte ihn und sprach: Bist du der König der Juden? Jesus sprach zu ihm: Du sagst es! Mt 27:11

Wie ohnmächtig stehst du, mein Jesus, vor Pilatus, dem römischen Statthalter von Jerusalem! In diesem Moment ist deine göttliche Natur ganz verborgen. So wird sichtbar, dass dein Königtum „nicht von dieser Welt“ ist, also nicht in weltlicher Macht besteht. Du willst vielmehr König in meinem Herzen sein. Dies fordert mich heraus, an dich zu glauben und dir zu dienen. Joachim Richter

Wie übst du, Jesus, deine Herrschaft aus? Wo ist dein Herrschersitz? Du selbst hast gesagt: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28). Diese Lebenshingabe hast du zur Vollendung gebracht, als du deinen Thron bestiegen hast: das Kreuz. Joachim Richter

Und als er von den obersten Priestern und den Ältesten verklagt wurde, antwortete er nichts. Mt 27:12

Die wirklichen Anklagen der Juden gegen Jesus waren religiöser Natur, und die Verhandlung geschah auf dieser Basis. Aber religiöse Anklagen hatten vor der römischen Gerichtsbarkeit kein Gewicht. Das wussten sie, deshalb brachten sie drei politische  Anklagen gegen ihn vor, als sie ihn vor Pilatus führten

1. Er war ein Revolutionär, der eine Gefahr für das Römische Reich darstellte.

2. Er brachte Menschen dazu, keine Steuern zu zahlen, und gefährdete damit die Einnahmen des Reiches

3. Er behauptete von sich, ein König zu sein, und bedrohte damit die Macht sowie die Stellung des Kaisers.

Mt 27,15-26: Pilatus übergibt Jesus zur Kreuzigung

Mk 15,6-15; Lk 23,13-25; Joh 18,39-19,16

Aber die obersten Priester und die Ältesten überredeten die Volksmenge, den Barabbas zu erbitten, Jesus aber umbringen zu lassen. Mt 27:20

Gerade die Männer, die eben noch Jesus wegen Verrates gegen den Kaiser angeklagt hatten, erbaten nun die Freilassung eines Mannes, der sich dieses Verbrechens wirklich schuldig gemacht hatte! Die Haltung der Hohenpriester war irrational und haarsträubend, aber so ist die Sünde nun einmal. MacDonald

Mt 27,27-31: Soldaten verspotten Jesus

Mk 15,16-20

Sie zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel um. Mt 27:28

Der Schöpfer und Erhalter des Universums wurde auf unerhörte Weise von den grausamen, gemeinen Soldaten entehrt, von seinen unwürdigen, sündigen Geschöpfen. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen scharlachroten Mantel um. Damit wollten sie einen Königsmantel nachahmen. Aber dieser Mantel hat eine Botschaft für uns. Weil Scharlach mit der Sünde in Verbindung steht (Jes 1,18), liebe ich den Gedanken, dass der Mantel für meine Sünden steht, die auf Jesus gelegt wurden, damit mir Gottes Mantel der Gerechtigkeit angetan werden kann. MacDonald

Sie flochten eine Krone aus Dornen, setzten sie auf sein Haupt, gaben ihm ein Rohr in die rechte Hand und beugten vor ihm die Knie, verspotteten ihn und sprachen: Sei gegrüßt, König der Juden! Mt 27:29

Sie flochten eine Krone aus Dornen und drückten sie ihm auf das Haupt. Aber wir blicken hinter ihre rohe Verspottung und verstehen, dass er die Krone aus Dornen trug, damit wir die Krone der Gerechtigkeit  tragen dürfen. Sie verspotteten ihn als König der Sünde, wir verehren ihn als Retter der Sünder. Sie gaben ihm auch ein Rohr als Königszepter. Sie wussten nicht, dass die Hand, die dieses Rohr hielt, jene Hand ist, die die Welt regiert. Die nageldurchgrabene Hand Jesu hält jetzt das Zepter der unumschränkten Herrschaft. Sie fielen vor ihm auf die Knie und redeten ihn als König der Juden an. Damit nicht zufrieden, spuckten sie dem einzigen vollkommenen Menschen, der je gelebt hat, ins Gesicht, nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt. Alles ertrug Jesus geduldig, er sagte kein Wort. MacDonald

Dann spuckten sie ihn an und nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt. Mt 27:30

Mt 27,32-44: Jesus wird gekreuzigt

Mk 15,25-32; Lk 23,32-43; Joh 19,18-27

Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen ein Mann aus Kyrene, der Simon hieß. Ihn zwangen sie, das Kreuz zu tragen, an das Jesus gehängt werden sollte. Mt 27:32

Nach der Geißelung wurde das Opfer gezwungen, den schweren Querbalken seines eigenen Kreuzes zur Hinrichtungsstätte zu tragen. Dieser Balken wog ca. 50kg. Was Simon von Kyrene hier tun musste, wird zum Vorbild für uns. Im Tragen unseres oft schweren Kreuzes haben wir Anteil am Kreuz Jesus. Dieses Kreuztragen ist nicht abgehobenes spirituelles Gefassel, sondern wird von uns allen in seinem Schmerz im ganz konkreten Leben gelebt. Zum Beispiel muss ich heute auf einer Beerdigung von einem ehemaligen Schüler Abschied nehmen, den ich sehr lieb hatte. Ich spüre den schweren Balken auf der Schulter seiner Mutter.

Schaut, alle kommen und wollen von ihrem Kreuz befreit werden. So wenige kommen und bitten um Kraft, es zu tragen! Pater Pio

Bete nicht um leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken. Theresia von Avila

Aber die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf Mt 27:39

Wenn das Kreuz die Liebe Gottes offenbart, so offenbart es auch die Verdorbenheit des Menschen. Die Vorübergehenden nahmen sich die Zeit, den Hirten zu verspotten, als er für die Schafe starb: Wenn du Gottes Sohn bist, so steige her ab vom Kreuz. Das ist die Sprache rationalistischen Unglaubens. Wir glauben nur, was wir sehen. Steige herab vom Kreuz, mit anderen Worten: Nimm den Anstoß des Kreuzes weg, und wir werden glauben. Sie behaupteten, sie würden glauben, wenn er vom Kreuz herunterkäme, aber wir glauben, weil er oben blieb. MacDonald

Wenn du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuz herab! Mt 27:40

Dem Teufel ging es um nicht weniger, als Jesus von seinem Weg als Sohn Gottes abbringen. Er setzte alles daran, ihn von seiner göttlichen Sendung wegzulocken und von seiner Berufung abspenstig zu machen. In einer Meditation schreibt Petrus Chrysologus darauf: Was ist schwieriger? Die Nägel zu entfernen und vom Kreuz herabsteigen oder auf den Tod den Fuß zu setzen und aus der Unterwelt zurückkommen? Ich habe mich selbst errettet. Ich habe die Ketten der Unterwelt gesprengt und bin wieder heraufgekommen auf die Welt

Er ist doch der König von Israel! Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben. Mt 27,42

Im Mittelpunkt des Königtums Jesu Christi steht das Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung. Am Kreuz wird er als König verspottet. Paradoxerweise ist das Kreuz, dem sich Jesus frei auslieferte, das Zeichen seines Königtums. Weil er sich zum Sühneopfer hingab, wird Jesus zum König für alle Menschen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Dieses paradoxe Königtum bezeugen und verkündigen wir, indem wir seinem Weg folgen, seine Logik annehmen, die Logik der Demut und des Dienstes, des Weizenkorns, das stirbt, um Frucht zu bringen. Ahme seine Demut und seinen Dienst nach!

Gott tritt nicht im Stil einer königlichen Repräsentation auf, sondern im Stil von Bethlehem und Golgatha. Paul Deitenbeck

Mt 27,45-56: Jesus stirbt am Kreuz

Mk 15,33-41; Lk 23,44-49; Joh 19,28-37

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Mt 27,46

Jesus betet hier den großen Psalm 22, der mit diesem Vers beginnt. So nimmt er alle an der Verborgenheit Gottes leidenden Menschen dieser Welt in sich hinein. Er trägt den Notschrei der Welt vor das Herz Gottes selber hin. Die ganze Passion ist in dem Psalm gleichsam vorab geschildert: die öffentliche Demütigung, der Hohn und das Kopfschütteln der Spötter, die Schmerzen, der entsetzliche Durst, das Durchbohren der Hände und Füße und das Verlosen der Kleider. Aber nicht nur die Passion, sondern auch die Gewissheit der Erhörung, die sich zeigen wird in der Auferstehung, ist im Psalm enthalten. Der Ruf in der äußersten Not ist zugleich Gewissheit der göttlichen Antwort, Gewissheit des Heils – nicht nur für Jesus selbst, sondern für viele.

Mt 27,57-61: Jesus wird ins Grab gelegt

Mk 15,42-47; Lk 23,50-56; Joh 19,38-42

Und Joseph nahm den Leib, wickelte ihn in reine Leinwand und legte ihn in sein neues Grab, das er im Felsen hatte aushauen lassen und er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging davon. Mt 27:59‭-‬60‬‬‬

Eingehüllt in das Leinentuch, das Grabtuch, gleitet der gekreuzigte und gequälte Leib Jesu langsam aus den barmherzigen und liebevollen Händen Josefs von Arimathäa in das Felsengrab. In den Stunden der Stille, die nun folgen, wird Christus wirklich wie alle anderen Menschen sein, die in den dunklen Schoß des Todes, der Leichenstarre, des Endes vordringen.

Mt 27,62-66: Wachen werden aufgestellt

Pilatus aber sprach zu ihnen: Ihr sollt eine Wache haben! Geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt! Mt 27:65

Lag nicht Ironie in der Stimme des Pilatus, als er sagte: Sichert es, so gut ihr könnt? Sie taten ihr Bestes. Sie versiegelten den Stein und stellten die Wache auf, aber ihre besten Sicherheitsvorkehrungen reichten eben doch nicht aus. Unger sagt: Die Vorsichtsmaßnahmen, die seine Feinde trafen (Versiegelung des Grabes, Aufstellen einer Wache) mussten am Ende dazu dienen, dass Gott die Pläne der Gottlosen zunichte machte, und brachten den unwiderlegbaren Beweis für die Auferstehung des Königs.