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Matthäus Kap. 26 ✔️

Matthäus Evangelium – Kapitel 26

Mt 26,1-5: Juden beschließen, Jesus zu töten

Mk 14,1-2; Lk 22,1-2

Sie hielten miteinander Rat, wie sie Jesus mit List ergreifen und töten könnten. Sie sprachen aber: Nicht während des Festes, damit kein Aufruhr unter dem Volk entsteht! Mt 26:4-5

Die Führer des Volkes wollten in ihrer boshaften List Christus nach dem Passahfest umbringen. Es erschien ihnen zu riskant zu sein, ihn während des Festes, wenn sehr viele Menschen in Jerusalem sind, verhaften zu lassen. Sie wollten keinen Aufruhr des Volkes riskieren, die ihn am Sonntag vorher noch als Messias bejubelt hatten. Doch es gab einen, der einen anderen Plan hatte. Dieser eine – war Gott. Er hatte im Alten Testament die Schlachtung des Passahlammes auf einen bestimmten Tag gelegt. Und genau an diesem Tag sollte auch das wahre Passahlamm geschlachtet werden – was auch immer die Menschen sich in ihrer List ausdachten. Gerrid Setzer

Mt 26,6-13: Frau salbt Jesus

Mk 14,3-9; Joh 12,1-11

Während der Mahlzeit kam eine Frau herein. In ihren Händen hielt sie ein Fläschchen kostbares Öl, mit dem sie den Kopf von Jesus salbte. Mt 26:7

Mt 26,14-16: Judas möchte Jesus verraten

Mk 14,10-11; Lk 22,3-6

Was zahlt ihr mir, wenn ich Jesus an euch ausliefere? Sie gaben ihm 30 Silbermünzen. Von da an suchte Judas eine günstige Gelegenheit, um Jesus zu verraten. Mt 26:15-16

Einer der Zwölf soll ein Verräter sein? Wir meinen oft, dass Judas verschieden gewesen sein muss, schlechter als die anderen Jünger. Wenn das gestimmt hätte, hätte jeder sofort ihn verdächtigt, als Jesus sagte: Einer von euch wird mich verraten. Sie hätten vermutet: Es muss Judas sein. Er war schon immer böse. Er ist fähig, Jesus zu verraten. Ich verstehe nicht, warum Jesus ihn ausgewählt hat. Doch Judas schien sich nicht so offensichtlich von ihnen zu unterscheiden. Sonst hätten sie ihn ja sofort verdächtigt. Jeder von uns kann ein Judas werden, nach und nach, indem wir unsere Prinzipien immer mehr aufgeben, zuerst in den kleinen Dingen, und dann auch in wichtigen Angelegenheiten. Im christlichen Leben braucht es immer eine gesunde Spannung zwischen dem Vorwärtsstreben und der Wachsamkeit. Wer in den kleinen Dingen treu ist, ist es auch in den Großen. James Swanson

Mt 26,17-30: Das Abendmahl

Mk 14,12-26; Lk 22,7-30, Joh 13,21-30

Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir für dich das Passahmahl vorbereiten? Mt 26:17

Das eucharistische Opfer ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. Für mich persönlich ist die Sonntagsmesse mit dem Empfang des Leibes Christi der Höhepunkt der Woche, mit nichts zu vergleichen, unbeschreibbar. Hier loben und feiern wir Jesus, der zu unserem Heil gestorben und auferstanden ist. Die Eucharistie zu vertiefen, nichts wichtigeres gibt es, nicht nur als Ritus, sondern als existentiellen Vorgang, der mich in meinem Innersten mehr als jede andere Sache berührt und mich verändert und verwandelt und dadurch die Welt, in der ich lebe, verwandelt.

Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen, als ohne das heilige Messopfer. Pater Pio

Sagt ihm, dass ich in seinem Haus mit meinen Jüngern das Passahmahl feiern will. Mt 26:18

Das Paschamahl ist im jüdischen Glauben das Gedächtnis der Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens. Im neuen Pascha der Eucharistie, dem Opfertod Jesus, geht es um das Gedächtnis der Befreiung durch Jesus Christus aus der Knechtschaft der Sünde. Damals in der Stunde des Abendmahls wie auch in jeder Eucharistie tritt Gott mit uns in eine Gemeinschaft die befreit.Durch Jesu Menschwerdung, durch sein vergossenes Blut sind wir in eine ganz reale Blutsverwandtschaft mit Jesus und so mit Gott selbst hineingezogen, die wahrlich befreit. Bitten wir den Herrn, dass wir die Grösse dieses Geheimnisses immer mehr verstehen.

Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein; wasch in deinem Blute mich von Sünden rein. Schon ein kleiner Tropfen sühnet alle Schuld, bringt der ganzen Erde Gottes Heil und Huld. Thomas von Aquin

Einer von euch wird mich verraten! Mt 26,21

Beobachte dich selbst und zwar ruhig und nicht urteilend. Erkenne deine eigenen Abgründe, wo du dich letztlich von Jesus abwendest, weltliche Dinge wichtiger sind, du ihn – benutzen wir dieses harte Wort – verrätst. Durch das Beobachten deiner eigenen Abgründe, erkennst du umso besser Gottes Geduld und Erbarmen mit deiner Seele. Der größte Abgrund sind häufig unsere springenden Gedanken, die ununterbrochen alles kommentieren und bewerten. Bedenke: Situationen die uns in der einen Stunde negativ erregen, werden häufig schon in wenigen Stunden oder Tagen dies nicht mehr tun! Wenn wir das begreifen, können wir uns entschließen, diesen Gedanken von Anfang an nicht so viel Macht und Kontrolle über mich einzuräumen. Sei dir sicher: Deine Seele ist viel beständiger und ruhiger als es deine Gedanken und Gefühle je sein könnten.

Während sie aßen, nahm Jesus ein Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot in Stücke und gab es seinen Jüngern. Mt 26:26

Er gab ihnen das Brot. Diese menschliche Urgeste des Gebens erhält im Abendmahl Jesus eine neue Tiefe. Jesus gibt nicht etwas, er gibt sich selbst. Die gebende Güte Gottes offenbart sich in ihrer Größe in diesem Augenblick, in dem Christus im Brot sich selber austeilt. Dieses Brechen und Geben des Brotes ist die elementare Mitte der Eucharistie. In der frühen Christenheit wurde daher für die Eucharistie das Wort Brotbrechen verwendet. Das Brotbrechen und Geben als Akt der liebenden Zuwendung zum Nächsten ist dadurch eine innere Dimension der Eucharistie selbst. Die Sorge um den anderen ist nicht ein Zweites, sondern er ist innerster Bestandteil des Abendmahles.

Nehmt und esst! Das ist mein Leib. Mt 26:26

Nach dem Empfang Christi schweige ich oft. Jean Marie Vianney schreibt zur Kommunion: Warum jetzt Menschenworte, wenn Gott zu uns spricht? Wir müssen darauf hören, was der liebe Gott zu unserem Herzen spricht. Geht deshalb zur heiligen Kommunion, empfangt Jesus mit Liebe und Vertrauen! Lebt von Ihm, um für Ihn zu leben. Sagt nicht, ihr wäret ihrer nicht wert. Ja, es ist wahr, ihr habt sie nicht verdient, aber ihr braucht sie. Wenn Gott darauf gesehen hätte, ob wir ihrer würdig wären, er hätte das wunderbare Sakrament seiner Liebe niemals eingesetzt; denn niemand auf der Welt ist es wert. Er aber hat unsere Not gesehen, und notwendig ist dieses Sakrament für jeden von uns.

Das ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird zur Vergebung ihrer Sünden vergossen. Mt 26:28

Brot und Wein werden in sein Leib und sein Blut gewandelt. Doch die Verwandlung macht hier nicht halt. Leib und Blut Jesu Christi werden uns gegeben, damit wir verwandelt werden. Wir sind es, die durch dieses Brot des Lebens geheimnisvoll verändert werden. Christus nährt uns, indem er uns mit sich vereint und uns in sich hineinzieht. Indem er uns alle in sich hineinzieht, werden wir untereinander eins gemacht. Er durchdringt uns und will von uns auf die anderen übergreifen, daß seine Liebe das beherrschende Maß der Welt werde. Begreifen wir: der Empfang des Leib Christi und das Tun der Liebe sind nicht zweierlei Dinge, sondern zutiefst eins.

Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz, hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz. Beide sieht mein Glaube in dem Brote hier; wie der Schächer ruf ich, Herr, um Gnad zu dir. Thomas von Aquin

Der alte Bund beruhte auf dem Blut geopferter Tiere und auf dem Gehorsamsversprechen Israels (Ex 24). Dieses Versprechen wurde aber immer wieder gebrochen. Auch wir brechen immer wieder unseren Gehorsam und sündigen, weil unser Eigenwille die Oberhand gewinnt. Der neue Bund in Christi Blut und Leib ist daher nicht mehr auf diese immer brüchige Treue unseres menschlichen Wollens gegründet, sondern auf den Gehorsam des Sohnes, der gehorsam war bis in den Tod. Jesus hat deinen und meinen Ungehorsam in seinen bis in den Tod gehenden Gehorsam aufgenommen, durchlitten und überwunden. In der Eucharistie feiern wir diesen neuen Bund, der im Gehorsam und in der Liebe des Christus gegründet ist.

Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot, bet ich dennoch gläubig: Du mein Herr und Gott! Tief und tiefer werde dieser Glaube mein, fester laß die Hoffnung, treu die Liebe sein. Thomas von Aquin

Nachdem sie das Danklied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Mt 26:30

Wir feiern in der Messe nicht das Letzte Abendmahl im Sinne eines Nachspielens, sondern das Gedächtnis seines Opfertodes. Zur Wiederholung aufgetragen ist das, was Jesus an diesem Abend neu getan hat: das Brotbrechen, das Gebet des Segens und des Dankens und mit ihm die Worte der Verwandlung von Brot und Wein. Es vollzieht sich dadurch, was Jesu angekündigt hat, dass er vom Kreuz her alle an sich ziehen wird. Dieses Gedächtnis ist nicht nur ein nachahmendes Denken an das Abendmahl. Es ist Gegenwärtigsetzung des Geschehenen und darin tiefste Begegnung mit Gott.

Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann. Thomas von Aquin

Mt 26,32-35: Petrus wird ihn verleugnen

Mk 14,27-31

Da beteuerte Petrus: Wenn sich auch alle anderen von dir abwenden – ich halte auf jeden Fall zu dir! Mt 26:33

Jede Sünde hat ihren Ursprung in unseren Herzen, dort fängt alles an. Die Bibel sagt uns, dass aus dem Herzen böse Gedanken hervorkommen. So auch bei Petrus. Er erhebt sich über seine Brüder und denkt, er ist besser als sie. Wenn alle, ich niemals….! Es ist immer eine Gefahr nie oder niemals zu sagen, denn wir sind zu allem fähig. Es zeigt uns, dass Petrus sein Herz noch nicht gut genug kannte. Er vertraute in sich und seine Kraft, aber er muss noch erfahren, dass ihn ihm selbst nichts Gutes wohnt. Er hatte mit Sicherheit gute Absichten, wollte seine Liebe zum Herrn ausdrücken, aber ohne es zu merken, begibt er sich in die falsche Richtung. Er schaute mehr auf sich selbst, anstatt auf den Herrn. Manuel Dietermann

Ich versichere dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen. Mt 26:34

Mt 26,36-56: Gethsemane

 Jesus ringt mit Gott im Gebet 26,36-46 (Mk 14,32-42; Lk 22,39-46)

Jesus wird verraten und verhaftet 26,47-56 (Mk 14,43-52; Lk 22,47-53; Joh 18,1-11)

Meine Seele ist tief betrübt bis zum Tod. Mt 26:38

Das ist eine der bewegendsten und erschütterndsten Situationen im Leben Jesus. Es ist das Ringen zwischen der göttlichen und der menschlichen Seele Jesus. Im Umfeld von Getsemani und Golgota wird das menschliche Bewußtsein Jesu der härtesten Prüfung unterworfen werden. Es zeigt, dass Jesus kein dem Leiden gegenüber unempfindlicher Übermensch ist. Hier ist ihm der Abgrund der Sünde und alles Bösen ins Innerste der Seele gedrungen. Hier ist er von der Erschütterung des nahen Todes berührt worden. Jesus spürt Einsamkeit und Betrübnis. Aus dieser Situation bittet er die Jünger und auch uns: Bleibt hier und wacht mit mir!

Christus hat die menschliche Natur angenommen und hat auch seelisch den tiefsten Schmerz gefühlt. In diesem Drama der Todesangst, des Gegensatzes zwischen dem menschlichen Willen, nicht zu sterben, und dem göttlichen Willen, der sich dem Tod ausliefert, in diesem Drama von Getsemani verwirklicht sich das ganze menschliche Drama unserer Erlösung. Denn in dieser Erlösung nimmt er dieses sein Menschsein mit. In der Hingabe seiner selbst wird er umgeschmolzen in eine neue Weise des Seins, in der er nun immer zugleich beim Vater und bei den Menschen ist. Das Kreuz, den Akt der Tötung wandelt er um in einen Akt der Hingabe, der Liebe bis ans Ende. Jesus wird freiwillig und aus Liebe zum Opfer und trägt den Schmerz der Menschheit und weigert sich, ihn abzuweisen. (Benedikt XVI)

Mein Vater! Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst! Mt 26:39

Jesus ringt mit dem Vater. Jesus ringt mit sich selbst und er ringt um uns. Jesus erleidet die Angst vor der Macht des Todes. Dies ist zunächst einfach die dem Menschen eigene Erschütterung vor der Gegenwart des Todes. Aber bei Jesus geht es um mehr: er sieht die schmutzige Flut aller Lüge und alles Niedrigen, die auf ihn zukommt in dem Kelch, den er trinken muß. Es ist die Erschütterung des ganz Reinen und Heiligen vor der ganzen Flut des Bösen dieser Welt, die auf ihn hereinbricht. In diesem Ringen folgen wir ihm nach

Die Kunst des Lebens besteht mehr im Ringen als im Tanzen. Marc Aurel

Durch das Gebet Jesu am Ölberg wurde Jesus der Kreuzestod nicht genommen, aber er bekam die Kraft, seinen Weg zu gehen. Beten in der Krankheit und im Leiden heißt: Auf das Wunder hoffen, aber nicht erzwingen, sondern sich in Gottes Willen ergeben. Der Umgang mit Leiden ist eine Gratwanderung zwischen Kampf gegen das Leiden und Annahme des Leiden – beide Seiten aber verweisen auf Gottes Willen und führen zur Erkenntnis, dass ich mein Leben nicht selbst in der Hand habe. Es liegt in Gottes Hand.

Er warf sich zu Boden, mit dem Gesicht zur Erde, und betete. Mt 26:39

Jesus wirft sich zur Erde. Das ist die Gebetshaltung der äußersten Unterwerfung unter den Willen Gottes. In diesem von der Todesangst durchdrungenen Beten Jesu nimmt er die ganze Schuld der Menschheit auf sich, er nimmt dich und mich auf sich und trägt uns zum Vater hin. Jesus selbst ist der Hirte der Menschheit. So ist dieser Augenblick der Todesangst Jesu ein wesentliches Moment im Vorgang der Erlösung. Wir folgen seinen Spuren, wenn wir unser Ja zum Willen Gottes täglich erneuern, auch wenn es uns in bestimmten Situationen schwer fällt, ihn anzunehmen.

Weisheit ist das Geschenk, den Willen Gottes in den konkreten Aufgaben des Lebens zu erkennen. Bonhoeffer

Als er zu den Jüngern zurückkam, schliefen sie. Mt 26:40

Unsere geistliche Schläfrigkeit bleibt damals wie heute die Chance für die Macht des Bösen. Schläfrig werden wir dann, wenn unsere Seele abstumpft, wir uns nicht mehr innerlich berühren lassen vom Leid des Nächsten oder dem Bösen, was Menschen einander antun. Schläfrigkeit ist eine Stumpfheit, die all dies lieber nicht wahrnehmen möchte. Geistlich wach werden wir in der Beziehungsplege zu Gott. Ohne diese Beziehung zu Gott gibt der Mensch schließlich seinem Egoismus den Vorrang gegenüber der Solidarität und der Liebe, zieht er das Materielle den Werten vor, das Haben dem Sein.

Die Stille, in der die Mystiker sich Gott nähern, ist spannungsvoll und wachsam – genau das Gegenteil von Schläfrigkeit und Träumerei. Clive Staples Lewis

Der Geist ist willig, aber der Körper ist schwach. Mt 26:41

Bleibt wach und betet, damit ihr der Versuchung widerstehen könnt. Ich weiß, ihr wollt das Beste, aber aus eigener Kraft könnt ihr es nicht erreichen. Mt 26:41

Wir alle machen Fehler und sind weit davon entfernt, perfekt zu sein, wir haben Schwächen. Es gibt viele Arten von Fehlschlägen im Umgang mit meinen Mitmenschen, mit mir selbst und mit Gott. Sobald wir versagen, müssen wir uns selbst am stärksten an unsere Menschlichkeit erinnern und uns mit Liebe begegnen, erinnernd an den gnädigen und barmherzigen Gott.

Die Menschen brauchen Liebe dann am meisten, wenn sie sie am wenigsten verdient haben. John Harrigan

Diese Liebe schenkt Gott. Die Evangelien sind eine Fülle an Begegnungen von Jesus mit Versagern und Sündern, immer klar, deutlich und dennoch voll Liebe und Barmherzigkeit. Je liebender wir mit uns selbst und unseren Schwächen umgehen, desto leichter ist es, wieder aufzustehen, wenn wir versagen und von neuem zu beginnen, vertrauend auf Gott. Dieser liebende Selbstumgang ist zutiefst mit Christus verbunden.

Sobald du die Versuchung fühlst, mache es wie die kleinen Kinder, die sofort zu Vater und Mutter laufen. So nimm auch du deine Zuflucht zu Gott. Bleib vor allem stets demütig und dir deiner Schwäche bewußt. Bitte Gott, daß er sich deiner erbarme und dir helfe. Jesus selbst lehrt uns: Betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet. Beteure, daß du der Versuchung nicht zustimmen willst, bitte Jesus um Hilfe und setze deine Beteuerung fort, solange die Versuchung anhält. Betrachte dabei aber nicht die Versuchung, sondern den Herrn. Streite nicht mit dem Feind! Erwidere kein Wort außer dem einen, womit der Herr ihn beschämte: Zurück, Satan! Du sollst den Herrn, deinen Gott anbeten und ihm allein dienen. Franz von Sales

Sieh aber , wie der Herr sich nicht verwirren ließ, sondern mit der Heiligen Schrift in Demut dem Bösen entgegentritt , damit du Christus so ähnlich wie möglich wirst. (Chrysostomus)

Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe. Mt 26:46

Jesus wird von Judas verraten. Nur kurz später erkennt Judas seine Sünde. Das Licht Jesus in ihm war noch nicht ganz erloschen. Aber seine zweite Tragödie nach dem Verrat ist es, dass er nicht mehr an Vergebung zu glauben vermag. Seine Reue wird zur Verzweiflung. Er sieht nur noch sich und seine Finsternis, nicht mehr das Licht Jesu, das auch die Finsternis erhellen und überwinden kann. Er bringt sich um. Reue, die nicht mehr hoffen kann, sondern nur noch das eigene Dunkel sieht, ist zerstörerisch und ist keine rechte Reue. Zur rechten Reue gehört die Hoffnungsgewissheit, die aus dem Glauben an die größere Macht des Lichtes kommt, das in Jesus Fleisch geworden ist.

Stecke dein Schwert an seinen Platz! Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen! Mt 26:52

Die moralische Vollkommenheit des Herrn Jesus strahlt hier in aller Herrlichkeit. Im Reich Christi werden Siege nicht mit fleischlichen Mitteln errungen. Wenn man sich im geistlichen Kampf auf materielle Waffen verlässt, dann ruft man Katastrophen geradezu herbei. Der Soldat Christi sollte sich auf das Gebet, das Wort Gottes und die Macht eines geisterfüllten Lebens verlassen. William McDonald

Ist dir denn nicht klar, dass ich meinen Vater um ein ganzes Heer von Engeln bitten könnte? Er würde sie mir sofort schicken. Mt 26:53

Wie sollte sich aber dann erfüllen, was in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist? Es muss alles so geschehen! Mt 26:54

Gott hat große Macht und er weiß über alle Dinge hier auf der Erde bescheid. Wenn er eingreifen will, kann er durchaus eingreifen und uns damit helfen. Manchmal wissen wir nicht warum manche Dinge geschehen und warum er gerade in diesem Moment nicht eingreift, sondern erst später oder gar nicht. Aber Gott weiß, warum er wann was tut. MacDonald

Mt 26,57-68: Kaiphas verhört Jesus

Mk 14,53-65

Da sprach der Hohepriester zu ihm: Ich beschwöre dich bei Gott, dem Lebendigen: Sag uns: bist du der Messias, Gottes Sohn? Jesus erwiderte: Ja, ich bin’s. Mt 26:63‭-‬64

Da zerriss der Hohepriester seine Kleider. Mt 26:65

Jesus antwortet einfach und klar: Ich bin es. Hier klingt eindeutig klar das “Ich bin der Ich-bin” mit, das zu Moses von Gott aus dem brennenden Dornbusch gesprochen wurde. Für die Hohepriester war dies Gotteslästerung. Das anschließende Zerreißen der Kleider vom Hohepriester Kajaphas geschieht nicht aus emotionaler Erregung, sondern war für den amtierenden Richter beim Anhören einer Gotteslästerung als Zeichen der Empörung vorgeschrieben. Für uns dagegen ist dieses “Ich bin” die Gewissheit seiner Gegenwart unter uns.

Dann spuckten sie Jesus ins Gesicht und schlugen mit den Fäusten auf ihn ein. Andere gaben ihm Ohrfeigen. Mt 26:67

Es ist das Unbegreifliche, dass Gottes Sohn wegen Gotteslästerung verurteilt wird. Nun bricht über Jesus alle Gewalt und Verachtung herein. Unwissend erfüllen sie die Prophezeiung Jesajas: “Meinen Rücken bot ich denen dar, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.” (Jes 50:6). Von einer Reaktion Jesus an dieser Stelle steht nichts. Interessant ist aber, was bei Jesaja im Folgevers steht: “Doch konnten sie mir meine Würde nicht nehmen.” (Jes 50:7).

Bedenken wir: Auch wenn uns physisch oder psychisch Leid angetan wird, niemand kann uns unsere Würde als Kinder Gottes nehmen. Das hilft und stärkt uns, immer in der Liebe zu bleiben und zu leben und nicht in Bitternis und Groll abzutriften.

Mt 26,69-75: Petrus leugnet Jesus

 Mk 14,66-72; Lk 22,54-65; Joh 18,25-27

Petrus erinnerte sich an das Wort Jesu, der zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.‭ Mt 26:75

Die Verleugnung Jesu war eine sehr schwere Sünde durch verschiedene Umstände: Erstens aufgrund der Wiederholung der gleichen Sünde. Zweitens, weil sie am Tag der Kommunion und der vollkommenen Reinigung durch die Fußwaschung geschah. Drittens weil sie in der Nacht geschah, in der die Sünde getilgt wurde. Viertens weil sie im gleichen Haus mit Christus geschah. Fünftens geschah sie aus einem winzigen Anlaß. Zuletzt geschah sie durch den, von dem man es am wenigsten erwartet hätte, wegen der zahllosen Wohltaten, die er empfangen hatte und weil er ausdrücklich versprochen hatte, standhaft zu sein. Als er seine schwere Sünden erkannte, zog er sich sogleich zurück, um sie bitterlich zu beweinen, und nicht nur damals, sondern er beweinte sie ein Leben lang. Franz von Sales

Du kannst Gott verleugnen – er liebt dich immer noch. Max Lucado

Der vertraute Ton durchschnitt nicht nur die Stille der Morgenstunde, sondern auch das Herz des Petrus. Der am Boden zerstörte Jünger erinnerte sich daran, was sein Herr gesagt hatte, ging hinaus und weinte bitterlich. MacDonald

Petrus ist Jesus mit Eifer gefolgt, er hat die Glaubensprüfung bestanden, indem er sich ihm ganz hingab. Trotzdem kommt der Augenblick, in dem er der Angst nachgibt und fällt: Er verrät den Meister. Die Schule des Glaubens ist kein Triumphmarsch, sondern ein Weg, der mit Leiden und Liebe bedeckt ist, mit Prüfungen und einer Treue, die jeden Tag erneuert werden muß. Petrus, der vollkommene Treue versprochen hatte, kennt die Bitternis und die Demütigung der Verleugnung: Der Übermütige lernt auf eigene Kosten die Demut. Auch Petrus muß lernen, schwach zu sein und der Vergebung zu bedürfen. Als ihm endlich die Maske abfällt und er die Wahrheit seines schwachen Herzens, das das Herz eines gläubigen Sünders ist, begreift, bricht er in befreiende Tränen der Reue aus. Nach diesen Tränen ist er bereit für seine Sendung. Benedikt XVI