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Matthäus Kap. 25 ✔️

Matthäus Evangelium – Kapitel 25

Mt 25,1-13: Gleichnis 10 Jungfrauen

Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleichen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Mt 25:1 

Es handelt sich um zehn Brautjungfern bei einer Hochzeit. Die Ankunft des Bräutigams war der Start der Hochzeit. Die Brautjungfern gingen ihm entgegen, um ihn mit ihren Öllampen zum Ort der Hochzeit zu geleiten. Dass dies nachts/abends geschah, war normal, denn das Fest begann erst nach Sonnenuntergang und dauerte dann mehrere Tage. Das Kennzeichen aller Jungfrauen ist, dass sie ausgehen, um dem Bräutigam zu begegnen. Die Brautjungfern im Gleichnis sind wir, der Bräutigam ist Christus, die Hochzeit ist ein Symbol des Himmelreiches, des ewigen Lebens. Für uns bedeutet das, dass wir unser Leben zu einer leidenschaftlichen Christus-Erwartung machen sollten, wo wir täglich neu den Herrn suchen und ihm entgegen gehen, so wie er uns entgegen geht.

Genau das ist das Wunder des Evangeliums: Nicht nur wir sind auf dem Weg. Es kommt uns auch einer entgegen, der uns kennt. Helmut Thielicke

Fünf von ihnen aber waren klug und fünf töricht. Die törichten nahmen zwar ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit sich. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen mitsamt ihren Lampen. Mt 25, 2-4 

Die Lampe ist das Symbol für den Glauben, der unser Leben erhellt, während das Öl die Nächstenliebe symbolisiert. Dieses Öl ist der Geist der Sanftmut und der Demut, der Liebe und der Geduld, der Wahrheit, Keuschheit und Treue. Ja, das Öl ist ein Symbol der Liebe, die man nicht kaufen kann, sondern als Geschenk empfängt, im Innersten bewahrt und in den Werken umsetzt. Die Voraussetzung, um für die Begegnung mit dem Herrn bereit zu sein, ist der Glaube (=Lampe), der nicht anders kann, als sich in Werken (=Öl) zu offenbaren. Die Lampe und das Öl sind in eins zu fassen: der Glaube inspiriert die Nächstenliebe und die Nächstenliebe bewahrt den Glauben.

So lasst uns heute unsere Lampen mit Öl füllen nach Gottes Willen und Vorsehung. Gott segne dich!

Als nun der Bräutigam auf sich warten ließ, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht aus, ihm entgegen! Mt 25:5-6 

Noch nie war die Ablenkung so groß wie heute! Noch nie wurden wir mit soviel Informationen zugedonnert, wie in der aktuellen Zeit! Dadurch fällt es uns schwer, still zu werden und zu hören, was Gott zu uns spricht. Das macht uns geistlich schläfrig, wir leben so dahin, ohne auf unseren Ölvorrat zu achten. Wir schlafen ein. Gott aber sucht uns, möchte uns täglich neu aufwecken hin zu ihm. Von ihm kommt das Geschrei um Mitternacht im Heiligen Geist. Er möchte uns wach machen und uns zum Tun des Guten anleiten, dem Herrn entgegen gehend.

Jedes Gebet ist ein Zeichen, dass wir wachen. Und nicht nur das. Es ist zugleich ein Licht, das uns wach und frisch hält. Helmut Thielicke

Da erwachten alle jene Jungfrauen und machten ihre Lampen bereit. Mt 25:7

Das Öl kann als Bild für die tätige Liebe, aber auch für Gottes Geist stehen, der die Lampe des Glaubens leuchten lässt in allerlei Licht-Nuancen (vor allem die Liebe, aber auch Freude, Friede, Geduld…). Indem wir uns im Gebet mit ganzem Herzen Gott zu wenden, empfangen wir dieses Öl des Geistes Gottes. Gefüllt mit Öl (Gottes Geist) ist es unserer Lampe des Glaubens möglich, ein Licht in der Welt zu sein, wozu uns Christus berufen hat und wir werden Früchte der Liebe und des Glaubens hervor bringen. Wenn wir uns dem Geist Gottes dagegen nicht täglich öffnen, verschwinden auch dessen Früchte. An seine Stelle treten dann stark ichbezogene Gedanken.

Sei dir bewusst, dass du immer auf Gottes Kraft und Weisung vertrauen darfst. Er ist die Quelle. Trinke aus ihr.

Die Tür wurde verschlossen. Mt 25,10 

Die törichten Jungfrauen merken, dass ihr Öl nicht ausreicht. Ihre Lampen sind am erlöschen. Sie versuchen von den klugen Jungfrauen Öl zu leihen. Das scheitert. Sie müssen fort gehen, um Öl zu kaufen. In dieser Zeit jedoch kommt der Bräutigam. Die klugen Jungfrauen gehen mit ihm zur Hochzeit. Als die törichten Jungfrauen kommen, ist die Tür zu. Auf die Bitte, die Tür zu öffnen, antwortet der Bräutigam: Ich sage euch: Ich kenne euch nicht! Das klingt hart. Dennoch darf es nicht als Drohung verstanden werden, sondern als liebende Mahnung, als Fingerzeig auf das Wesentliche: Lebt, denkt und handelt so, wie wenn ihr Morgen dem Herrn begegnen würdet und achtet durch gute Werke auf euren Ölvorrat.

Darum wacht! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde, in welcher der Sohn des Menschen kommen wird. Mt 25:13

Wacht! Wacht! Wacht! Wachen heißt so leben, dass Gottes Reich mein Leben im Hier und jetzt ganz bestimmt. Das ist nicht immer einfach, verbunden mit Kreuzen und Niederlagen und doch unser Licht, nachdem wir uns richten. Überzeugte gelebte Nachfolge Christi ist kein geradliniger einfacher Weg. Hier auf der Erde werden wir stets mit großen und kleinen Sünden zu kämpfen haben. Und dieser Kampf erfordert aufmerksame Wachsamkeit. Im festen Vertrauen auf die Gnade Gottes halten wir uns so bereit für die Begegnung mit Christus, der uns zur fest gesetzten Stunde zu sich holen wird.

Halten wir unseren Glauben lebendig. Unsere Lampen mögen brennen. Lasst uns  wachsam  sein, damit wir Gott nicht vergessen.

Mt 25,14-30: Gleichnis Talente

Es ist wie bei einem Menschen, der außer Landes reisen wollte, seine Knechte rief und ihnen seine Güter übergab. Dem einen gab er fünf Talente, dem anderen zwei, dem dritten eins, jedem nach seiner Kraft und er reiste sogleich ab. Mt 25:14-15 

Der Mensch im Gleichnis ist Christus, die Knechte sind wir und die Talente sind die Gaben, die der Herr uns anvertraut. Ein Talent war damals ein großes Vermögen. Der Herr vertraut uns also ein großes Vermögen an. Dieses Vermögen (Talente) ist sein Wort, seine Vergebung, sein Erbarmen u.v.m und im Innersten seine Liebe, ein Vermögen, dass wachsen soll, indem wir davon Gebrauch machen, indem wir lieben so wie er uns geliebt hat. Mein Leben als Geschöpf Gottes ist ein einzigartiges Vermögen. Glaube stets daran, dass du vor Gott wertvoll bist, dass er dich beschenkt und dass du berufen bist, dass dieses Geschenk Frucht trägt. Und höre die Sanftmut des Herrn heraus: Er gibt jedem nach seiner Kraft, da er uns im Innersten kennt und weiß, was richtig für uns ist.

Interessant: der heute gebrauchte Bergriff “Talent” geht auf dieses Gleichnis zurück.

Da ging der hin, welcher die fünf Talente empfangen hatte, handelte mit ihnen und gewann fünf weitere Talente. Und ebenso der, welcher die zwei Talente empfangen hatte, auch er gewann zwei weitere. Mt 25:16‭-‬17 

Früher erzeugte dieses Gleichnis in mir Leistungsdruck. Werde ich mit meiner Vermehrung meiner Talente vor dem Herrn bestehen können? Vorsicht Werksgerechtigkeit! Durch unsere Werke werden wir nicht gerecht und erlangen das Heil. Die empfangenen Talente stehen für die empfangene Liebe des Herrn. Das Empfangen der Talente bedeutet, dass wir diese Liebe dankbar wahrnehmend genießen. Das Hinzugewinnen der Talente bedeutet nun, dass wir diese Liebe weiter schenken. Durch uns kommt so die Liebe des Herrn zu den Menschen. Dies nun muss im Alltag stets aufs Konkrete runter gebrochen werden. Beispiel: der Herr schenkt uns Vergebung und wir wiederum machen von der Vergebung im zwischenmenschlichen Bereich reichlich Gebrauch.

Vergrabt nicht eure Talente, die Gaben, die ihr von Gott empfangen habt! Habt keine Angst, das Große zu wollen. Papst Franziskus

Aber der, welcher das eine empfangen hatte, ging hin, grub die Erde auf und verbarg das Geld seines Herrn. Mt 25:18 

Der dritte Knecht vergräbt das Talent. Nicht aus Faulheit, sondern aus Angst tat er dies, das Talent könnte verloren gehen. So blockiert er sich und die Liebe. Es fehlt ihm an Vertrauen. Das Talent nicht zu vergraben, bedeutet sich aus der grenzenlosen Liebe Gottes heraus zu bemühen, immer und in allem dem Willen Gottes nachzukommen, sowohl bei den angenehmen als auch bei den unangenehmen Dingen und sich nicht um das Morgen zu sorgen, sondern zu vertrauen. Ja, hier liegt unsere Verantwortung sich auf das fokussieren, was wir selbst gestalten können.

Beispiel: Besonders bei Beziehungsproblemen haben wir oft eine Erwartung, was der andere tun müsste und vergessen uns zu fragen, was wir selbst tun können. Du aber bist der Gestalter deines Lebens, also wage das Leben, vergrabe das geschenkte Talent nicht, sondern habe Vertrauen und immer wieder: liebe!

Geh ein zur Freude deines Herrn! Mt 25:23

Der Herr kommt zurück. Der erste und zweite Diener werden für ihr Handeln mit den Talenten belohnt. Ihre Belohnung steht eindeutig für den Himmel. Sie werden eingeladen, in die Freude des Herrn einzugehen. Dieses Eingehen ist keine Vertröstung aufs Jenseits,sondern vollzieht sich schon jetzt und heute. Christus ist hier unter uns, dort wo wir gerade sind. In deiner Seele wohnt Gott in dir. Wenn du nun täglich dein Talent einsetzt, d.h. vor allem, dass du liebst, dann gehst du auch tagtäglich ein in die Freude des Herrn und neues Leben blüht in dir auf.

Unsere Freude ist dann vollkommen und nicht mehr zu überbieten, wenn wir uns an der Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott, nach dessen Bild wir geschaffen sind, erfreuen. Augustinus

Da trat auch der hinzu, der das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr, ich kannte dich, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast. Ich fürchtete mich, ging hin und verbarg dein Talent in der Erde. Siehe, da hast du das Deine! Mt 25:24-25

Wie wichtig ist unser Gottesbild! Der dritte Knecht hat ein straffendes und richtendes Gottesbild. Die Bibel sagt uns aber eindeutig, dass er eben kein böser, harter und strenger Herr ist. Gegebenenfalls züchtigt und erzieht Gott uns, um uns wieder auf den richtigen Weg zu führen, aber er bestraft uns nicht. So haben wir bitte, bitte nie Angst vor Gott. Ehrfurcht ja, aber keine Angst! Denn diese Angst wird uns hemmen in unseren Taten. Daher erkennen wir die Güte und Liebe Gottes. Schon im Alten Testament, aber noch mehr und klarer in den Worten Jesu über den Vater. Aus dieser Liebe heraus lieben wir. Aus seinen Worten heraus reden wir, immer im Bewusstsein, dass wir nie alles perfekt machen werden. Aber wer aber keine Fehler machen will, macht alles falsch.

Wer hat, dem wird gegeben werden, damit er Überfluss hat. Von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat. Mt 25:29 

Dieses Gleichnis macht uns das Dienen für Jesus bewusst. Wenn du gut zuhören kannst, dann nimmt dir die Zeit, dem anderen auch zuzuhören. Wenn du dem anderen helfen kannst, dann helfe. Wer Besitz hat, soll nicht müde werden, Almosen zu geben. In allem: Da du geliebt bist, die Gabe der Liebe empfangen hast, liebe, liebe, liebe! Lass die Liebe des Herrn in deinem Herzen wachsen, dass du immer tiefer in die Liebe zum Herrn findest und aus Liebe zu ihm immer wieder neu die Kraft erhälst deinen Nächsten zu lieben wie er ist, statt von ihm zu erwarten, dass er so wird wie du willst, dass er sein soll.

Wer nämlich die Liebe hat, der bekommt auch die übrigen Gaben. Wer aber die Liebe nicht hat, der verliert auch die Gaben, die er schon zu besitzen schien. Gregor der Große

Auch das Geringste, das einer als Gabe bekommen hat, wird hier mit dem Wort Talent bezeichnet. Gregor der Große 

Das nun ist der Kern des Gleichnis: Was jeder von Gott empfangen hat, das soll und muss er einem anderen weitergeben, so gut er nur kann und wie es ihm Gott gegeben hat. Zuallererst muss er dafür empfangen. Nur wer empfängt, kann geben. Nur wer sich geliebt weiß, kann lieben. Nur wer gehört wird, kann zuhören. Nur wer sich von Gott angenommen weiß, kann annehmen sich selbst und den anderen. Der Weg zu diesem Empfangen hin beginnt im Loslassen von allem, was du solltest, müsstest, hättest. Der Weg ist das Vertrauen auf Gottes Gnade, der uns Weisheit schenkt, das Gute zu erkennen und Kraft, es auch zu tun.

Gott passt auf uns auf, so wie ein Vater auf seine Kinder aufpasst. Und wir sind alle Kinder Gottes. Alles Gute, das wir haben, ist ein Geschenk Gottes. Porphyrios

Mt 25,31-46: Gleichnis Endgericht

Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Mt 25:35

Neben der direkten Bedeutung (z.B. Suppenküchen, Tafeln) steht der Hunger für die Sehnsucht des Menschen. Bei meinen Begegnungen mit Menschen im Alltag, versuche ich stets unter die Oberfläche zu schauen und zu erahnen, was ihn beschäftigt, wonach er sich sehnt. Häufig läuft es auf das Eine hinaus: Hunger nach Liebe, nach Zuwendung und Bestätigung. Nach bestem Wissen und Gewissen versuche ich dann teilnehmende Worte zu geben, die aufrichten.

Gebe Gott dir stets ein mitfühlendes Herz, das den Hunger des anderen erspürt und die Weisheit zu wissen, wie wir darauf antworten

Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Mt 25:35

Ähnlich wie der Hunger, so ist auch der Durst ein Bild für die tiefste Sehnsucht des Menschen, der Durst nach Liebe, nach Leben, nach Lebendigkeit. Das Wasser, das Jesus uns zu trinken gibt, ist sein Geist. (Joh 4,13) Er will in uns zu einer Quelle werden, die in uns sprudelt, die uns davor bewahrt, innerlich zu vertrocknen. Der wahre Durst des Menschen ist der Durst nach Liebe. Und dieser Durst wird nie allein von Menschen gestillt werden, sondern nur wenn Gottes Liebe in uns einströmt und in uns zur Quelle der Liebe wird, die nie versiegt und die unabhängig ist von der Liebe, die wir gerade durch Menschen erfahren oder nicht erfahren.

Gott Segen begleite dich. Er lasse dich von der Quelle des heiligen Geistes trinken, damit auch du für andere eine Quelle wirst, an der andere sich gerne niederlassen.

Ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen. Mt 25:35

Abgesehen von der politischen Brisanz (Thema Flüchtlinge) hat dieses Werk auch eine große Bedeutung in deinem Allerlei des Alltags, denn auch hier kommst du selbst im engsten Umfeld immer wieder in Situationen, in denen dir der andere in seinem Verhalten und seiner Person fremd ist. Die Griechen haben das gleiche Wort für Fremder und Feind. Damit dein Fremder oder das Befremdliche am anderen nicht zu deinem Feind wird, sondern zum Freund, ist deine Gastfreundschaft so wichtig, nicht nur die häusliche, sondern vielmehr die seelische, offen zu sein für das, was da fremd ist. Denn fremd ist dir das, was du nicht verstehst. Der Fremde stellt dein eigenes Lebensgebäude in Frage. Er zeigt dir neue Weisen, wie du leben könntest. Er fordert dich zu neuem Verstehen heraus. „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt“ (Hebr 13,2).

Herr Jesus Christus lasse dich in seinem heiligen Herzen wohnen. Es ist der Wohnort von dem aus du offen auf den anderen zugehen kannst.

Ich hatte nichts anzuziehen , und ihr habt mir Kleidung gegeben. Mt 25:36

Ich arbeite ja mit sehr vielen Leuten zusammen. Im Großen und Ganzen klappt das auch gut. Dennoch: Konflikte gehören zum Tagesgeschäft. Bei dir bestimmt auch. Nacktsein hat in Bezug auf menschliche Beziehungen einen tieferen Sinn. Die Gefahr ist immer, dass der Nächste bloßgestellt wird, Gerüchte verbreitet werden, schlecht gemacht wird. Einen solchen Menschen zu schützen, das ist ein Werk der Barmherzigkeit. Anstatt mitzureden und mit dem Finger auf andere zu zeigen, über die das oder jenes geredet wird, braucht es Mut, diesen Menschen zu schützen, sich vor ihn zu stellen, für ihn Partei zu ergreifen, auch mit dem Risiko, selbst ins Kreuzfeuer der Kritik zu geraten.

Oh Heiliger Geist, der du in uns wohnst, gib uns Mut für andere einzutreten, mit dem anderen den schützenden Mantel zu teilen.

Ich war krank, und ihr habt euch um mich gekümmert. Mt 25:36

Besuchen kommt im deutschen von “suchen”. Es geht nicht um oberflächlichen Kontakt, sondern dass sich zwei Seelen berühren, ja den anderen zu suchen, um ihn wirklich zu finden, Interesse am andern zu haben, nicht gleichgültig zu sein. Im Griechischen (episkeptomai) und Lateinischen (visitare) liegt der Akzent auf dem Sehen, Betrachten und Überlegen. Ich frage mich, was den anderen bewegt, wie es ihm wirklich geht, schaue ihn geschwisterlich an. Im Nächsten, das wissen wir, begegnen wir dem Herrn selbst und deshalb sollen und dürfen wir leben, indem wir nach bestem Wissen, so gut es uns eben gelingt, mit ganzem, echten und authentischen Herzen dem Gegenüber zu wenden, denn:

Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht. Mt 25:36

Neben der Haft im Gefängnis können Menschen auf vielfältige Weise gefangen sein: Abhängigkeiten, Sucht, Zwänge, Verhaltensweisen, im eigenen Körper, in verhärteten Lebenshaltungen, z.B. die Angst, die hemmt und blockiert und mich zum Rückzug drängt oder die Depression, gefangen in einem dunklen Kerkerloch ohne Licht. Den anderen hier ernst zu nehmen, ihn nicht zu beurteilen, sondern ihn in seiner Not zu verstehen, den Blick zu schärfen für solche “Gefangenen-Situationen”, den Nächsten hier nicht alleine zu lassen, darauf kommt es an. Und: Was wir geben (Zeit, Geld, Zuwendung, körperlicher Einsatz etc.) bekommen wir mehrfach in anderer Weise geheimnisvoll zurück: “Alle Ausgaben, die wir uns machen, um Arme zu speisen, Kranke zu pflegen, Gefangene loszukaufen oder irgendwelche andere derartige Werke zu vollbringen, bedeuten keine Verringerung unseres Besitzes, sondern eine Mehrung. Nie kann bei Gott verloren sein, was getreue Liebe geopfert hat.” (Leo der Große). Ja, es ist so: Das was ich dem Heiland schenke gibt er mir verklärt und neu.” (Center) Das erlebe ich immer wieder von Neuem.

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan! Mt 25:40

O mein Jesus, du weißt, welcher Anstrengungen es bedarf, um ehrlich und aufrichtig mit denen zu sein, vor denen sich unser Wesen sträubt oder mit denen, die uns bewusst oder unbewusst Leid angetan haben. Menschlich gesehen ist das unmöglich. In solchen Augenblicken bemühe ich mich mehr denn je, in der entsprechenden Person Jesus zu entdecken und diesem Jesus zuliebe tue ich für die entsprechenden Personen alles. Wisse, wenn du irgendeiner Seele etwas Gutes tust, nimmt es Jesus an, als würdest du das für ihn selbst tun. Faustyna

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, hielt Mutter Teresa mitunter die fünf Finger einer Hand hoch. An fünf Fingern sei das ganze Evangelium abzuzählen: „You did it to me!“ (Das hast du mir getan.). Lernen wir von dieser heiligen Frau.