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Matthäus Kap. 18 ✔️

Matthäus Evangelium – Kapitel 18

Mt 18,1-6: Rangstreit der Jünger

Mk 9,33-37; Lk 9,46-48

Zu jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist wohl der Größte im Reich der Himmel? Mt 18:1

Wer ist der Größte? Wir ertappen uns häufig dabei, dass wir, ebenso wie die Jünger, danach trachten, der oder die Größte zu sein. Die Gesellschaft ermutigt uns, alles zu tun, was verspricht, erfolgreich zu sein, Spitze zu sein. Häufig verlieren wir in dem Kampf um Erfolg die Sicht auf Christus und schieben ihn schließlich auf den zweiten Platz ab. Wenn mir wirklich daran gelegen ist und ich mich ehrlich mühe, kann Christus zur wichtigsten Person in meinem Leben werden. Trotz meiner schwachen Neigungen kann er die Nummer Eins in meinem Leben werden. Christopher Scroggin

Und Jesus rief ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen! Mt 18:2‭-‬3‬‬

Um ein echter Gläubiger zu sein muss der Mensch die Gedanken an persönliche Größe ablegen und die niedrige Stellung eines Kindes einnehmen. Das beginnt, wenn er seine Sündhaftigkeit erkennt und einsieht, dass er von sich aus vor Gott kein Verdienst hat, und Jesus Christus als seine einzige Hoffnung annimmt. Diese Haltung sollte sich durch sein gesamtes Leben als Gläubiger ziehen. Der größte Mensch im Reich der Himmel ist derjenige, der sich selbst wie ein kleines Kind erniedrigt. Offensichtlich sind die Maßstäbe und Werte im Reich der Himmel denen der Welt direkt entgegengesetzt. Unsere ganze Denkweise muss verändert werden, damit wir die Gedanken Christi nachdenken. MacDonald

Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in dieses Reich kommen. Mt 18:3

Solange die kleinen Kinder spüren, daß ihre Mutter sie an der Hand hält, gehen sie tapfer darauf los, tollen herum und geraten über kleines Stolpern, das von der Schwäche ihrer Füßchen herrührt, nicht außer sich. So gehen auch Sie tapfer Ihren Weg. Sie wissen, daß Gott Sie hält durch den guten Willen und Entschluß, den er Ihnen eingegeben hat, ihm zu dienen. Wundern Sie sich nicht über diese kleinen Erschütterungen und Stolpereien. Sie dürfen sich nicht darüber ärgern, vorausgesetzt, daß Sie sich von Zeit zu Zeit in seine Arme werfen und ihn liebevoll umarmen. Gehen Sie Ihren Weg fröhlich und mit möglichst aufgeschlossenem Herzen und wenn Sie schon nicht immer fröhlich gehen, so tun Sie es doch immer mutig und vertrauensvoll. Franz von Sales

Mt 18,7-9: Jesus warnt vor Versuchungen

Mk 9,42-50

Wenn dich deine Hand oder dein Fuß zur Sünde verführen will, hack sie ab und wirf sie weg. Es ist besser, du gehst verkrüppelt oder verstümmelt ins ewige Leben, als dass du mit beiden Händen und Füßen ins ewige Feuer kommst. Mt 18:8

Um das Ziel zu erreichen, lohnt sich jedes Opfer. Die Hand steht für unsere Taten, der Fuss für unseren Wandel und das Auge für Dinge, die wir begehren. Das sind mögliche Gefahrenpunkte. Wenn wir hierin nicht hart bleiben, können sie uns ins ewige Verderben führen.

Mt 18,10-14: Warnung auf Menschen herabzusehen

Seht zu, dass ihr keinen dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel schauen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Mt 18:10

Die Unterweisung und auch das Beispiel des Herrn sind für uns eine Aufforderung, zu lieben, wie Er geliebt hat, zuerst zu lieben, und die zu lieben, die nichts Liebenswürdiges besitzen – selbst die Undankbaren und die Bösen. Wenn man daher unter den Brüdern solche findet, die wenig liebenswürdig, die arm, schwach, elend und verachtet sind, dann fordert uns der Herr Jesus auf, gerade an ihnen zuerst unsere Liebe zu betätigen

Der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu retten. Mt 18:11

Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hat, und es verirrt sich eines von ihnen, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte? Mt 18:12

Und wenn es geschieht, dass er es findet, wahrlich, ich sage euch: Er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die nicht verirrt waren. Mt 18:13

So ist es auch nicht der Wille eures Vaters im Himmel, dass eines dieser Kleinen verlorengeht. Mt 18:14

Das verlorene Schaf von hundert Schafen, das bin ich, das bist du. Christus geht dem Schaf nach, bis er es findet. Ohne Zeiteinschränkung sucht er uns, bis er uns gefunden hat! Auf der Suche ist er unterwegs in Wildnis und Wüste, dies aber ist ein Hinweis auf seine Passion, sein Leiden für uns am Kreuz. Ist die Suche erfolgreich, ist da tiefe Freude bei ihm. Er legt das Schaf auf seine Schultern. Dies bedeutet, dass er durch die eigene Annahme der menschlichen Natur unsere Sünden getragen hat bis hin auf Golgotha. Als er das Schaf gefunden hat, geht er zum Haus zurück. Das bedeutet, dass Jesus nach seinem Erlösungwerk wieder ins himmlische Reich zurück kehrte und von dort aus auf ganz neue Art und Weise nun auch gleichzeitig unter uns weilt als unser ewige Hirte.

Mt 18,15-20: Über Umgang mit Gläubigen, der sündigt

Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Mt 18,15

Wenn dein Bruder oder deine Schwester Schuld auf sich geladen hat, dann geh zu dieser Person hin und stell sie unter vier Augen zur Rede. Wenn sie auf dich hört, hast du deinen Bruder oder deine Schwester zurückgewonnen. Mt 18:15

Sündigen heißt im Griechischen hamartanein, d.h. den Weg verfehlen. Wer seinen Weg verfehlt, der braucht einen, der ihm den Weg zeigt, einen Wegweiser. Der Wegweiser stellt sich nicht über den andern. Er begleitet ihn ein Stück weit, damit er den Weg zu dem Ziel findet. Es geht nicht um ein Gefälle: Ich bin nicht der Besserwisser und auch nicht der Tugendsamere. Ich bin genauso auf dem Weg wie der Irrende. Und auch ich kann mich auf meinem Weg verirren. Dann brauche auch ich Menschen, die mir den Weg zeigen. Nun gibt es freilich verschiedene Motivationen, dem Mitmenschen einen Fehler vorzuhalten, nicht selten geschieht es aus Kritiksucht, Groll oder Rechthaberei. Das wäre dann verkehrt! Zurechtweisung fällt nicht leicht, besonders bei Menschen, die uns sehr vertraut sind. Zurechtweisung sollte immer in Bescheidenheit und ohne Zorn geschehen. Aufgepasst – nicht hochmütig sein! Eine sanfte, gütige Zurechtweisung ist auch eine Form gelebter Nächstenliebe.

Sprich weder noch antworte noch denke nach noch geh umher noch tue irgendetwas sonst, ohne zuvor bedacht zu haben, ob es Gott gefällt und dem Nächsten zu Beispiel und Erbauung gereicht. Ignatius von Loyola

Und aus welchem Grund verbesserst du deinen Nächsten? Weil dir die Sünde, die er gegen dich beging, wehtut? Das soll nicht sein! Wenn du es nur aus Liebe zu dir selbst tust, tust du nichts Gutes; handelst du aber aus Liebe zu ihm, dann tust du sehr gut. Unser Herr mahnt uns, nicht gegenseitig über unsere Sünden hinwegzusehen. Er verlangt aber nicht, daß du nach etwas suchst, was du tadeln kannst, sondern daß du siehst, was du verbessern kannst. Wir sollen nämlich in Liebe zurechtweisen, und nicht weil wir begierig sind, dem anderen zu schaden, sondern weil wir ihn besser machen wollen. Wenn du darin nachlässig bist, dann bist du schlechter als der den du zurechtweisen sollst. Augustinus

Lerne Störungen in den verschiedenen Lebensbereichen rechtzeitig anzusprechen und zu klären, um so Konflikten vor zu beugen. Wir können deswegen ausbrennen, weil wir Dingen zu lange ihren Lauf gelassen haben. Ergebnis ist oft eine Scheinharmonie und der schwellende Konflikt schlägt später umso stärker zurück. Lösungsorientiertes Denken ist da mein Lieblingswort. Häufig ist es meine eigene Überzeugung, dass eine Lösung unmöglich erscheint. Glaube dennoch an eine Lösung. Der Weg dahin geht nur über echte und klare Kommunikation, ob nun im Beruf, der Beziehung oder sonstwo und über das Gebet zum hl. Geist um Lenkung. Atme in mir heiliger Geist!

Mt 18,21-35: Gleichnis vom unnachgiebigen Schuldner

Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal” Mt 18,21-22

Die Rabbiner empfahlen, dreimal zu verzeihen. Petrus geht weiter als die Pharisäer und schlägt vor, siebenmal zu vergeben. Petrus dachte, er sage etwas Großes. Der Herr macht aber klar, dass wir die Vergebung nicht beschränken dürfen. Bei der Vergebung geht es nicht um sentimentales Gutmenschentum, sondern um Leben und Tod. Darum sollen wir nach Jesus maßlos vergeben.

Einander gerne vergeben ist nicht leicht vor allem, wenn wir eine schwere Beleidigung erlitten haben. Manche Menschen tragen anderen das Leben lang erlittene Kränkungen nach und werden dabei selber krank. Vieles kann uns beleidigen, uns Leid zufügen. Es kann ein kränkendes Wort sein, das alte Wunden in uns aufreißt. Jeder von uns hat seine empfindliche Stelle. Beleidigen kann auch ein Übergehen sein. Der andere beachtet uns gar nicht. Viele fühlen sich mit dem verzeihen überfordert. Seien wir uns im Klaren: nur in und mit Gottes Kraft ist uns das möglich. Und es ist oft ein langer Weg. Seien wir uns auch im Klaren: Wenn wir uns dem Weg der Vergebung komplett verweigern, gehen wir daran selbst kaputt. Wenn wir Vergebung dagegen richtig verstehen, ist sie nicht nur ein Werk der Barmherzigkeit dem Beleidiger gegenüber, sondern auch uns selbst gegenüber. Es tut uns selbst gut.

Bei der Vergebung geht es nicht um sentimentales Gutmenschentum, sondern um Leben und Tod. Darum sollen wir nach Jesus maßlos vergeben. Nicht dass wir dann als ach so tolle Menschen vor ihm da stehen und dadurch Gottes Lob und Anerkennung erwarten, sondern weil wir selbst uns aus den Fesseln der Verurteilung lösen, in der Vergebung selbst unseren Frieden finden. “Wo aber Vergebung ist, da ist Leben” (Luther). Jesus sagt nicht, dass Vergebung einfach ist und mal kurz und eben schnell geht. Der Weg zum Leben ist bisweilen eng und steinig. Lass dir vergeben und vergebe. Lebe!

Der Mensch hat zwei Berufungen in sich: eine ruft zum Leben, die andere zum Tod. Hildegard von Bingen

Reue ist eine Voraussetzung für Vergebung. Wer keine Erkenntnis der Schuld hat, der zeigt auch keine Reue. Wer keine Reue zeigt, dem kann auch nicht vergeben werden. Das deutsche Wort Reue meint ursprünglich traurig und betrübt zu sein, beschreibt also den seelischen Schmerz über etwas, das wir getan oder unterlassen haben mit dem Vorsatz, es zukünftig besser zu machen (=Buße). Reue bedeutet eine Veränderung des Herzens und die bewusste Entscheidung, umzukehren. Es geht nicht um eine oberflächliche und vorübergehende Umkehr, sondern um einen geistlichen Weg, der die Haltungen des Gewissens in der Tiefe betrifft und einen aufrichtigen Vorsatz zur Besserung verlangt. In wahrer Reue und in einem demütigen Herzen erst wird die Hoffnung auf Verzeihung geboren.

Die Reue ist innerlich im Herzen. Thomas von Aquin

Vergebung: Nicht dass wir dann als ach so tolle Menschen vor ihm da stehen und dadurch Gottes Lob und Anerkennung erwarten, sondern weil wir selbst uns aus den Fesseln der Verurteilung lösen, in der Vergebung selbst unseren Frieden finden. “Wo aber Vergebung ist, da ist Leben” (Luther). Jesus sagt nicht, dass Vergebung einfach ist und mal kurz und eben schnell geht. Der Weg zum Leben ist bisweilen eng und steinig. Lass dir vergeben und vergebe. Lebe!Ich wage zu sagen: Und wenn er achtundsiebzigmal sündigt, sollst du vergeben; und wenn er hundertmal sündigt; und wenn er noch so oft gesündigt hat, vergib. Wenn nämlich Christus tausend Sünder vorfand und dennoch alles vergeben hat, dann darfst du ihnen die Barmherzigkeit nicht entziehen.

Darum gleicht das Reich der Himmel einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war 10000 Talente schuldig. Mt 18:23-24

Er steht mit 10.000 Talenten beim König in der Kreide. Das ist eine gewaltige Summe, die sich umgerechnet auf mehrere Millionen Euro beläuft. Das befiehlt er nicht aus Grausamkeit, sondern aus unaussprechlicher Zuneigung heraus. Er will ihn nämlich durch diese Drohung erschrecken, damit er um Gnade bittet und nicht verkauft wird. Und so geschah es dann auch. Das Gleichnis von dem Knecht, der zehntausend Talente schuldete, spiegelt treffend unsere Situation vor Gott wider. Auch wir verfügen über nichts, womit wir unsere Schuld begleichen könnten, die schon unermeßlich ist wegen der vielen göttlichen Wohltaten und die noch gesteigert wird durch unsere Sünden

Weil er aber nicht bezahlen konnte, befahl sein Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und so zu bezahlen. Mt 18:25

Da warf sich der Knecht nieder, huldigte ihm und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen! Mt 18:26

Da erbarmte sich der Herr über diesen Knecht, gab ihn frei und erließ ihm die Schuld. Mt 18:27

Sieh aber das Überfließen der göttlichen Liebe: der Diener bittet allein um einen Aufschub. Doch er gibt ihm mehr als er erbeten hat: er vergibt ihm und erläßt ihm das ganze Darlehen. Das wollte er von Anfang an tun, aber er wollte nicht, daß es allein sein Geschenk sei, sondern auch, daß der andere darum bittet, so daß er nicht ohne Lohn davongeht. Darum hat er ihm die Schuld auch nicht nachgelassen, noch bevor er Rechenschaft verlangte, denn er wollte ihm bewußt machen, von wie vielen Schulden er ihn befreit hat, so daß er dadurch mit seinen Mitdienern sanftmütiger umgehe. Und bis hierher zeigte er sich auch dessen würdig, was ihm versprochen worden war, denn er gestand seine Schuld ein, versprach, sie zurückzuzahlen, und bat auf Knien um Erbarmen. Er erkannte also die Größe seiner Schuld. Chrysostomus

Als aber dieser Knecht hinausging, fand er einen Mitknecht, der war ihm 100 Denare schuldig; den ergriff er, würgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du schuldig bist! Mt 18:28

Der Knecht, gerade von einer übergroßen Schuld befreit, hat kein Erbarmen mit seinem Mitknecht, der ihm kaum hundert Denare schuldet. Da zeigt sich die Enge seines Herzens. Für sich genommen, kann man ihm das Recht, sein Eigentum einzufordern, nicht bestreiten. Und doch empört sich etwas in uns, und wir fühlen, daß solche Unnachgiebigkeit nicht zum wahren Gerechtsein gehören kann. Es ist nicht recht, wenn jemand, der soeben barmherzige Güte und Verständnis erfahren hat, seinem Schuldner gegenüber nicht die geringste Spur von Geduld zeigt. Nehmt es in euch auf: Gerechtigkeit erschöpft sich nicht im bloßen Abmessen von Rechten und Pflichten, sie ist kein arithmetisches Verfahren von Addieren und Subtrahieren. Josemaria

Da warf sich ihm sein Mitknecht zu Füßen, bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen! Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war. Mt 18:29-30

Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt, kamen und berichteten ihrem Herrn den ganzen Vorfall. Mt 18:31

Vielleicht sind unter den Mitdienern auch die Engel zu verstehen, oder die Prediger der heiligen Kirche, oder alle Gläubigen, die einen Bruder sehen, der nach Erlangung der Vergebung der Sünden kein Mitleid mit seinen Mitdienern haben will, und über sein Verlorensein traurig sind. Es folgt: “Sie gingen zu ihrem Herrn uns berichteten ihm alles, was geschehen war.” Sie kommen freilich nicht physisch, sondern mit ihrem Herzen. Dem Herrn berichten aber bedeutet, Schmerz und Traurigkeit des Herzens in seinem Gefühl zeigen. Weiter folgt: Da ließ ihn sein Herr rufen. Er rief ihn aber, indem er ihm den Tod ansagte und ihn hieß, aus dem Leben zu scheiden. Und er sagte ihm: “Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.” (Remigius) Sie kommen freilich nicht physisch, sondern mit ihrem Herzen. Dem Herrn berichten aber bedeutet, Schmerz und Traurigkeit des Herzens in seinem Gefühl zeigen. Weiter folgt: Da ließ ihn sein Herr rufen. Er rief ihn aber, indem er ihm den Tod ansagte und ihn hieß, aus dem Leben zu scheiden. Und er sagte ihm: “Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.” (Remigius)

Da ließ sein Herr ihn kommen und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest. Solltest denn nicht auch du dich über deinen Mitknecht erbarmen, wie ich mich über dich erbarmt habe? Mt 18:33

Einander gerne vergeben ist nicht leicht vor allem, wenn wir eine schwere Beleidigung erlitten haben. Manche Menschen tragen anderen das Leben lang erlittene Kränkungen nach und werden dabei selber krank. Vieles kann uns beleidigen, uns Leid zufügen. Es kann ein kränkendes Wort sein, das alte Wunden in uns aufreißt. Jeder von uns hat seine empfindliche Stelle. Beleidigen kann auch ein Übergehen sein. Der andere beachtet uns gar nicht. Viele fühlen sich mit dem verzeihen überfordert. Seien wir uns im Klaren: nur in und mit Gottes Kraft ist uns das möglich. Und es ist oft ein langer Weg. Seien wir uns auch im Klaren: Wenn wir uns dem Weg der Vergebung komplett verweigern, gehen wir daran selbst kaputt. Wenn wir Vergebung dagegen richtig verstehen, ist sie nicht nur ein Werk der Barmherzigkeit dem Beleidiger gegenüber, sondern auch uns selbst gegenüber. Es tut uns selbst gut. Gott offenbart im Christentum in der Person Jesu seine ganze Gnade – eine Gnade, die größer ist als jede Schuld. Einige verstehen, wie völlig hilflos sie sind und nehmen die Gnade dankbar an und lassen durch sie ihr Verhalten anderen gegenüber prägen. Andere jedoch machen durch ihr rücksichtsloses Benehmen offenbar, dass Gottes Barmherzigkeit ihr Herz nicht wirklich erreicht hat. Solche Leute werden durch den bösen Knecht in diesem Gleichnis dargestellt. Es sind Menschen, die sich Christen nennen, jedoch keine wahren Christen sind

So wird auch mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen seine Verfehlungen vergebt. Mt 18:35

Gott sagt: Erlaßt einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden (Lk 6,37). Ich habe zuerst vergeben, vergib nachher auch du. Denn wenn du nicht vergibst, versetze ich dich in den früheren Stand zurück, und was immer ich dir erlassen habe, erlege ich dir wieder auf. Christus täuscht nämlich weder noch wird er getäuscht, und er fügt hinzu: Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt. Deshalb fügt der Herr hinzu von ganzem Herzen, damit die Milde nicht aus eurem Herzen weiche.

Mit diesen Worten warnt Er seine Jünger davor, ihre Vergebung beschränken zu wollen und unbarmherzig zu sein. Denn die gerechte göttliche Regierung gilt allen – auch denen, die die Gnade Gottes angenommen haben und Ihn wahrhaftig als ihren himmlischen Vater und Gläubige als ihre Geschwister kennen.

Wenn uns ein Mensch bei einem Fehltritt beobachtet, dann lassen wir davon ab und wir schämen uns. Doch auch wenn uns Gott jeden Tag dabei zusieht, hören wir nicht auf damit, sondern machen und reden genauso weiter, ohne irgendeine Scheu zu haben. Doch nicht allein deswegen sind die Sünden gegen Gott größer, sondern auch wegen der Wohltaten, die wir von ihm bekommen haben: er hat uns ja geschaffen und tut alles um unseretwillen: er hauchte uns eine Vernunft-Seele ein, er schickte seinen Sohn, er tat uns den Himmel auf und machte uns zu seinen Söhnen. Selbst wenn wir jeden Tag für ihn sterben würden, könnten wir ihm dadurch etwas Entsprechendes zurückgeben? Chrysostomus