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Mt Kap. 07

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Matthäus-Evangelium Kap. 7


Über das Verurteilen von anderen Mt 7, 1-6

Lk 6,37-42


Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Mt 7:1

Gleich mehrere Verse drehen sich am Anfang des Kapitels 7 um das Richten. Im Richten legen wir unseren ethischen Maßstab am anderen an (Was ist gut/schlecht?). Als Nachfolger Christi sollen wir allerdings nicht richten, nicht etwa, weil Christus hier ein moralisches To-do gegeben hat, sondern weil zwischen mir und dem Nächsten Christus selbst steht. Wenn ich über jemanden richte, schaue ich kritisch refelktierend auf ihn und stehe damit schon außerhalb der Liebe.Der Nächste kann dem Liebenden jedoch niemals Gegenstand zuschauerischer Betrachtung sein, sondern er ist jederzeit der lebendige Anspruch auf meine Liebe.

Es ist ein gar großer Unterschied zwischen Sünde richten und Sünde wissen. Wissen magst du sie wohl, aber richten sollst du sie nicht. Martin Luther


Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Mt 7:1

Oft nehmen wir es auch nicht wahr, dass wir innerlich blind sind. Oft handeln wir schlecht, aber was noch schlimmer ist, wir entschuldigen uns. Zuweilen treibt uns Leidenschaft, wir aber nennen es Eifer. Wir tadeln Kleinigkeiten an anderen und übersehen Krebsschäden an uns. Was wir von anderen auszustehen haben, fühlen wir schnell und kreiden es an. Was aber die anderen von uns hinnehmen, das sehen wir gar nicht. Wer sich selbst recht und gerecht beurteilte, hätte keinen Grund, über andere scharf zu richten. Nachfolge Christi


Denn so wie ihr jetzt andere richtet, werdet auch ihr gerichtet werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden. Mt 7:2

Richten ist die lieblose Reflexion auf den Anderen. Die Liebe verbietet mir zwar nicht meine Gedanken über den Anderen und die Wahrnehmung seiner Sünde, aber im gleichen Zuge wird mir diese Liebe zum Anlass zur Vergebung. Vorsichtig müssen wir hierbei sein: eine missverstandene Liebe zum Sünder ist der Liebe zur Sünde unheimlich nahe. Den Sünder lieben, die Sünde hassen. Denn die Liebe Christi zum Sünder ist ja selbst die Verurteilung der Sünde, sie ist der schärfste Ausdruck des Hasses gegen die Sünde.

Achte heute darauf, wo du dazu neigst, über andere innerlich oder auch ausgesprochen zu richten.


Denn so wie ihr jetzt andere richtet, werdet auch ihr gerichtet werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden. Mt 7:2

Ein Altvater wurde einmal von einem Bruder gefragt: Warum urteile ich eigentlich so häufig über meine Brüder? Und er antwortete ihm: Weil du dich noch nicht selbst kennst. Denn wer sich selber kennt, der sieht die Fehler der Brüder nicht. Apophthegmata

Ob wir wollen oder nicht: Sobald wir einem Menschen begegnen, bewerten wir ihn und häufig genug folgt daraus ein Urteil. Der Grund liegt darin, dass wir uns selbst nicht kennen. Wir projizieren unsere eigenen Schattenseiten auf den andern. Wer sich selbst erkennt, der urteilt nicht mehr über andere. Wer seine eigenen Schattenseiten sieht, der muss sie nicht mehr auf andere projizieren. Sobald wir also merken, dass wir über jemanden urteilen, sollen wir das als Einladung nehmen, uns selbst genauer anzuschauen und besser kennen zu lernen. Wenn wir uns mit den eigenen Schattenseiten beschäftigen, sehen wir die Fehler der anderen gar nicht mehr. Wenn ich meine Sünden betrachte, dann höre ich auf, nach den negativen Seiten des anderen zu forschen. Ich werde ihn achten und ehren und offen sein für das, was er mir sagen möchte. So wird die Begegnung für beide Seiten gut verlaufen. Anselm Grün

Lege deine Sünden auf dein Haupt und betrachte sie! Apophthegmata


Denn so wie ihr jetzt andere richtet, werdet auch ihr gerichtet werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden. Mt 7:2

Wenn Abbas Agathon etwas sah und sein Herz über die Sache urteilen wollte, sprach er zu sich: Agathon, tu das nicht! Und so kanm sein Denken zur Ruhe. Apophthegmata

Mir hat dieses Wort des Abbas Agathon schon oft geholfen. Ich kenne diesen Drang, mir sofort ein Urteil zu bilden, sobald ich etwas höre oder sehe. Und meistens ist es ein hartes Urteil. Oder wenn ich einem Mitbruder begegne, kommen spontan Gedanken hoch: Der lebt nicht authentisch. Der ist kein guter Mönch. Der macht es sich bequem. Der arbeitet nicht viel. Doch sobald solche Gedanken in mir aufsteigen, sage ich mir: Tu das nicht. Es steht dir nicht zu zu urteilen. Du kennst diesen Bruder nicht wirklich. Vielleicht leidet er an sich selbst. Dann werde ich wieder ruhig. Wenn ich weiterhin über die Sache oder den Mitbruder nachdenken würde, würde ich mich immer weiter von mir entfernen und ich käme nie zur Ruhe. Anselm Grün


Denn so wie ihr jetzt andere richtet, werdet auch ihr gerichtet werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden. Mt 7:2

Ebenso wie ein Leichnam nicht isst, so kann der Demütige einen Menschen nicht richten, selbst wenn er ihn Götzen anbeten sieht. Apophthegmata

Geringschätzige Gedanken kommen in uns hoch, ob wir wollen oder nicht. Wir werden sie wohl nie ganz loswerden. Aber es ist dann unsere Aufgabe, diese Gedanken zum Anlass zu nehmen, den Fehler des anderen als Spiegel für uns selbst zu nehmen. Ich habe nicht die Garantie, dass ich nicht denselben Fehler begehe. Wer wirklich demütig ist, der muss sich gar nicht verbieten, über den anderen zu richten. Er vermag es gar nicht. Er ist gleichsam tot für das Richten. Denn in allem, was er bei anderen sieht, erkennt er immer auch sich selbst. Selbst im Schlimmsten, was der andere tut, etwa, wenn er einen Götzen anbetet, sieht er einen Spiegel für sich selbst. So leidet er mit dem anderen, statt ihn zu verurteilen. Die Demut führt uns nicht nur zu einem angemessenen Umgang mit uns selbst, sondern zu einem barmherzigen Umgang mit den Menschen. Anselm Grün


Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Mt 7:3

Wenn wir über andere richten, dann erblindet unser Herz, wird blind für das eigene Böse in uns und blind für die Gnade, die eben nicht nur mir, sondern auch dem Anderen gilt. Der liebende Blick auf den anderen dagegen macht sehend. Er erkennt in der Liebe den Anderen als den, dem unter dem Kreuz ebenso vergeben wurde so wie mir. Wenn ich aus dieser Perspektive ein falsches Verhalten anspreche, dann ist es kein Urteil von oben, sondern von unten. Die Verantwortung den Splitter beim anderen raus zu ziehen bleibt. Aber nicht triumphierend, sondern es muss mir selbst wehtun. Das tut es, wenn ich in der Liebe bin.

Bitten wir den Herrn, daß er unseren Glauben vermehre, daß er ihn in der Liebe tatkräftig und fruchtbar mache.


Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Mt 7:3

In einer Versammlung sprachen die Väter viel über einen Bruder, der versagt hatte. Ein Altvater aber schwieg. Danach nahm dieser Altvater einen Sack, füllte ihn mit Sand und lud ihn auf seinen Rücken. Darauf tat er ein wenig von dem gleichen Sand in ein Körbchen und trug es vor sich her. Und als ihn die Väter fragten, was das bedeuten solle, antwortete er: Dieser Sack mit dem vielen Sand stellt meine Sünden dar, und weil es viele sind, habe ich sie auf meinen Rücken gepackt, damit ich sie nicht anzuschauen brauche. Dies bisschen Sand hier aber sind die Versäumnisse dieses Bruders. Die halte ich mir vor Augen und wühle in ihnen. Aber so soll man es nicht halten, sondern meine grössere Sündenmenge soll mir vor Augen stehen, und ich muss über sie nachdenken und Gott bitten, dass er mir vergibt. Apophthegmata


Werft eure Perlen nicht vor die Säue! Sie werden die Perlen nur zertreten. Mt 7:6

Das Evangelium – die Perle – ist keine Schleuderware. Die Säue sind ein Bild für Menschen, die vom Wort Gottes nichts hören wollen oder es gar verachten. Dieser Bibelvers bedeutet eine ernste Beschränkung, da der Verkündigung des Wortes hier eine Grenze gesetzt wird. Wenn jemand von Jesus nichts wissen will, dann sollen wir weiter gehen. Das Geheimnis der Niedrigkeit Gottes ist verbunden mit dieser Schwäche des Wortes, das den Widerspruch von Menschen erleidet und ebenso zeitgleich so stark und barmherzig ist, dass es Sünder bekehrt. Seine Kraft ist verhüllt in der Schwachheit. Käme das Wort in unverhüllter Kraft, so wäre der Gerichtstag da.

Es ist ergreifend zu sehen, wie Gott nicht nur die menschliche Freiheit respektiert, sondern sie zu benötigen scheint. Benedikt



Über das Bitten, Suchen und das Anklopfen Mt 7,7-11


Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet! Mt 7:7

Was sollen wir tun, wenn der Zugang zum anderen nicht gelingt? Erstens sollen wir diese Grenze erkennen und anerkennen, dass wir in keiner Weise Recht oder Macht über die Anderen besitzen. Zweitens sollen wir ins Gebet gehen. Wenn der andere nichts von Jesus wissen will, können wir dennoch weiter für ihn beten. Kein anderer Weg führt zum Herzen des Nächsten als das Gebet zu Gott. Die Verheißung, die unserem Gebet gegeben ist, ist die größte Macht, die wir haben. Ja: Gott verfehlt nie, uns zu helfen, wenn die Zeit da ist und wenn wir von unserer Seite aus alles getan haben, was wir konnten.

Halte heute in deinem Morgengebet einen Menschen vor Gott hin, der Jesus noch nicht als Erlöser angenommen hat.


Bittet Gott, und er wird euch geben! Mt 7,7

Die griechische Zeitform bezeichnet ein beständiges, wiederholtes Bitten. Wir sollten nicht sparsam sein mit unseren Bitten. Bitte voll kindlichem Vertrauen, verbunden mit dem vorweggenommenen Dank und mit dem Zusatz “Dein Wille geschehe”, selbst wenn dieser nicht immer verstehbar für dich ist. Weiter: es geht beim Bitten nicht um viele Worte, sondern um die Echtheit des Herzens. Deshalb sei dein Gebet kurz und rein. “Beim Gebet ist es besser, ein Herz ohne Worte als Worte ohne Herz zu haben.” (Bunyan). Außerdem: überlasse es Gott, auf welche Weise er dir helfen wird: “Der geistliche Mensch beschränkt sich darauf, dem Geliebten seine Not und Qual vorzustellen, denn wer besonnen liebt, wird nur auf seine Bedürftigkeit hinweisen, anstatt das Gewünschte zu erbitten. So bleibt die Art und Weise der Abhilfe dem Geliebten überlassen.” (Johannes vom Kreuz). Ich bin mir bewusst, dass es Lebenssituationen gibt, wo dies dir schwer fällt und wo wir leiden darüber, dass Gott “scheinbar” nicht hilft, Bitten nicht erhört werden. Dies geht einher mit einer Glaubensprüfung und bisweilen einem Leiden an der Unbegreiflichkeit Gottes.


Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan! Mt 7:7

Im Bittgebet spricht sich das Bewusstsein unserer Beziehung zu Gott aus. Wir sind Geschöpfe und darum weder unser eigener Ursprung noch Herr über unsere Lage und sind auch nicht unser letztes Ziel. (KKK 2629)


Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten! Mt 7:11

Jesus betont noch einmal die Zuversicht, die wir haben dürfen, dass der Vater uns Gutes geben wird, wenn wir ihn darum bitten. Unser Vater ist kein Gott, der auf uns herabschaut und sich auswählt, wem er etwas gibt und wem nicht. Gott gibt uns allen Gutes, bezeugt Jesus. Gutes zu bekommen führt uns zur Erfahrung, geliebt zu sein. Wir bezeichnen es als „dem anderen Gutes tun“, wenn wir jemandem vermitteln möchten, dass er es Wert ist, geliebt zu sein: Gott liebt dich. Er will dir Gutes tun. Kann ich das in meinem Leben erkennen oder erdrückt mich gerade die Erfahrung, den Vater um etwas gebeten und nichts von ihm erhalten zu haben? Welche Stimmen kann ich in mir erkennen? Sind es Lügen oder Wahrheiten? Ilona Kies



Die Goldene Regel 7,12


Behandelt die Menschen stets so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet. Mt 7:12

Die goldene Regel war in der Antike weit verbreitet, allerdings in negativer Form einem anderen nichts zu tun, von dem man ünicht möchte, dass es einem selbst angetan würde. Jesus formuliert sie hier positiv. Diese goldene Regel treibt uns an Gutes zu tun. Wenn du willst, dass man dir hilft, frage dich, wem kannst du helfen. Die goldene Regel muss ins Herz dringen, dass sie nicht im Sinne eines Nützlichkeitsdenkens (Du gibst mir – ich gebe dir) verstanden wird, sondern zu einem Leben der Hingabe an den anderen führt. Denn Gott hat uns als Frucht seiner unendlichen Liebe erschaffen.

Was du nicht willst, das man dir tue, das tue einem anderen auch nicht! Tob 4,16



Über die zwei Wege Mt 7,13–14


Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und der Weg dorthin bequem. Mt 7:13

Sehe ich Jesus Christus vorangehen, Schritt für Schritt, sehe ich allein auf ihn und folge ihm, Schritt für Schritt, so werde ich bewahrt. Jesus selbst ist der schmale Weg und das enge Tor. Es geht nicht um ein großes religiöses Regelwerk, sondern um die intime Eins-zu-Eins-Beziehung zu Christus, durch die ich nur hineintreten kann, wenn ich alles zurück lasse, was mich an diese Welt bindet (Stolz, Geld, Egoismus etc.). Aus dieser Gefangenschaft des eigenen Ichs hat uns der Herr befreit.

Begreife diese Gnade: Der Herr hat Großes an uns getan, wir sind fröhlich geworden. Ps 126:3


Die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt. Mt 7:14

Die zwei Wege, zwischen denen sich der Mensch entscheiden muss war ein altes im Judentum weit verbreitetes Thema (z.B. Ps 1). Der breite und schmale Weg meint nicht die Aufteilung der Menschen in gut und böse. Wir sind alle zuerst einmal auf dem breiten Weg und werden erst durch Gottes Gnade zum schmalen Weg hingeführt. Der schmale Weg ist jedoch nicht bequem. Jesus ruft hier sehr dringlich. Die Nachfolge Christi ist nicht der leichte Weg.

Die Wahrheit bezeugen und doch den Feind zu lieben ist ein schmaler, herausfordernder Weg. Den anderen Menschen sehen und erkennen in seiner Schwäche, in seinem Unrecht und ihn niemals richten, ihm die Botschaft ausrichten müssen und doch die Perlen niemals vor die Säue werfen ist ein schmaler, schwieriger und anstrengender Weg. Auf diesem Weg ist Jesus die Kraft, ohne die es nicht geht.



Über die falschen Propheten Mt 7,15–20


Ein guter Baum bringt gute Früchte und ein kranker Baum schlechte. Ebenso werdet ihr diese falschen Propheten an ihren Taten erkennen. Mt 7:17;20

Falsche Propheten wollen uns vom schmalen Weg und der engen Tür wegziehen. Dies ist alles, was uns daran hindert unser Verauen voll und ganz auf Jesus zu setzen. Falsche Propheten können Dinge und Menschen sein. Aber auch wir müssen wachsam sein, nicht selbst unbedacht zu falschen Propheten zu werden. Gerade heute stehen wir in der Gefahr die Botschaft Jesus zu verwässern, billige Gnade zu verkaufen, um möglichst modern und attraktiv auf andere zu wirken.

Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament, das mit leichtfertigen Händen bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird. Gnade ohne Preis, ohne Kosten. Bonhoeffer



Vom Erfüllen des Willens des Vaters Mt 7,21–23


Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Mt 7:21

Das Bekenntnis verleiht keinerlei Anrecht auf Jesus. Das ist eine ganz ernste Bibelstelle. Wir sollen uns nicht täuschen. Wenn unsere Worte (Herr, Herr) nicht verbunden sind mit Taten und Werken der Liebe, dann werden wir fruchtlos bleiben. Jesus lieben und den anderen lieben, das ist untrennbar miteinander verbunden, nicht als moralische Forderung, sondern in einem neuen Sein in und durch Christus. Das ist der Wille des Vaters.

Herr, da ist der andere, mit dem ich mich nicht verstehe. Er gehört dir, du hast ihn geschaffen, du hast, wenn nicht so gewollt, ihn so gelassen, wie er eben ist. Wenn du ihn trägst, mein Gott, will ich ihn auch tragen und ertragen, wie du mich trägst und erträgst. Karl Rahner


Ich habe euch nie gekannt. Ihr habt meine Gebote mit Füßen getreten, darum geht mir aus den Augen! Mt 7:22‭-‬23

Harte Worte: Ich habe euch nie gekannt! Was meint Jesus damit? Er kennt doch jeden Menschen. Aber in diesem Vers meint er, dass er sie nicht als die Seinen erkennt, die in seiner Nachfolge stehen. Das Wort „gekannt“ hat im hebräischen die Bedeutung einer intimen Beziehung. Jesus sagt also, dass er mit diesen Menschen in keiner innigen, intimen Beziehung steht. Der Grund ist, dass diese Menschen nicht den Willen des Vaters tun. Der Wille des Vaters ist reine Liebe, so wie Jesus uns geliebt hat.

So ist der Weg zum Heil klar: Liebe und glaube an Gott! Nicht heuchlerisch, herz- und gedankenlos, sondern stets mit glühendem Herzen und einem aufrichtigen Verstand.



Vom klugen und törichten Hausbau Mt 7,24–27


Ein jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Mt 7:24

Matthäus ermahnt uns, ein Haus auf Fels zu bauen. Was heißt das? Auf Fels bauen heißt vor allem: auf Christus und mit Christus bauen. Es heißt, mit jemandem zu bauen, der immer treu ist, auch wenn wir selbst es an Treue fehlen lassen. Es heißt, mit jemandem zu bauen, der sich dem verletzten Herzen des Menschen zuwendet und sagt: ‚Ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!‘ Auf Christus zu bauen, heißt, alle seine Wünsche, Erwartungen, Träume und ehrgeizigen Vorhaben allein auf Seinen Willen zu gründen. Benedikt XVI.


Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, den vergleiche ich einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen baute. Mt 7:24

In diesem Gleichnis bauen zwei Baumeister ein Haus, der eine auf Fels, der andere auf Sand. Der Baumeister bist du selbst. Das Haus steht für dein Leben. Der Felsen ist ein Bild von Jesus Christus. Der Sand symbolisiert das Vertrauen auf die eigene Kraft und eigene Werke. Auf Sand baut derjenige, der nur auf die sichtbaren und greifbaren Dinge baut. Scheinbar ist dies die wahre Wirklichkeit. Aber dies alles wird eines Tages vorbei sein. Das auf Sand gebaute Haus stürzt bei den Stürmen ein. Das auf Fels gebaute Haus steht sicher. Nur im Gehorsam auf Jesus Worte, im Leben nach seinen Worten, im Vertrauen auf die Gerechtigkeit durch ihn wird unser Lebenshaus den Lebensstürmen stand halten.

Der Glaubensgehorsam ist die wahre Freiheit, die echte Erlösung, die uns erlaubt, uns mit der Liebe Jesu zu verbinden in seinem Bemühen, in den Willen des Vaters einzustimmen. Benedikt


Wer nun auf das hört, was ich gesagt habe, und danach handelt, der ist klug. Mt 7:24

In der Bibel ist Klugheit ein häufiges Thema. Klugheit meint nicht Intelligenz oder Schlauheit. Der Kluge ist nicht der Vielwisser, sondern der, der das Wesentliche erkennt, bedenkt und danach handelt. Als Tugend bezeichnet sie die Fähigkeit zu angemessenem Handeln im konkreten Einzelfall unter Berücksichtigung aller für die Situation relevanten Faktoren, Handlungsziele und Einsichten, die der Handelnde kennen kann. Knapper formuliert: Klugheit ist die Gabe, richtig zu entscheiden, nicht unbedingt durch hoch komplexe Überlegungen, sondern vielmehr aus der Klugheit des Herzens. Es gibt keine bessere und erstrebenswertere Klugheit als die Einfalt des Herzens.

Klug ist, wer die Wirklichkeit sieht, wie sie ist, wer auf den Grund der Dinge sieht. Klug ist allein, wer die Wirklichkeit in Gott sieht. Bonhoeffer



Reaktion auf die Rede Jesu Mt 7,28–29


Als Jesus dies alles gesagt hatte, waren die Zuhörer von seinen Worten tief beeindruckt. Mt 7:28

In einer anderen Übersetzung heißt es, dass die Zuhörer entsetzt waren. Das Entsetzen betraf die Autorität, mit der Jesus hier auftritt. Mit dem häufigen “Ich aber sage euch” und “Wer auf meine Worte hört” spricht der absolute Lehrer. In unserer intimen Beziehung zu Jesus, im Weilen an seinem Herzen, im Reden mit ihm, wie mit einem Freund, ist immerzu seine Größe und Herrlichkeit als Herr der ganzen Schöpfung anwesend. Diese Ineinander hat in mir das Staunen und die Ehrfurcht vor dem Wort Gottes, vor allem das Evangelium, wachsen lassen. Die Bibel, also auch die Bergpredigt, ist mehr als eine Ansammlung von Geschichten und Worten, sie ist ein ganz persönlicher Ruf Gottes an dich. Nur wenn wir diesen Ruf mit wachen Ohren hören lernen, lesen wir die Bibel richtig, weil sie nur dann für unser Leben bedeutsam wird.


Die Bergpredigt verstehen kann nur ein Mensch, der den Mut hat, sich selbst radikal in Frage zu stellen, sich selbst, nicht die anderen. Karl Rahner

Wenn ich ein wichtiges Fazit aus meiner Meditation der Bergpredigt fasse, dann dieses: Die Bergpredigt ist kein ethisches Programm, hat aber auch gar nichts mit moralischen Anweisungen zu tun: das ist gut, das ist nicht gut, auch wenn einzelne Verse aus dem Zusammenhang gerissen, diesem Anschein haben. Nein: Die Bergpredigt kann nur in der Nachfolge Jesu, im Mitgehen mit ihm verstanden und gelebt werden. Seinen Fußspuren folgen wir, in seiner Liebe leben wir und an ihn glauben wir. Ihn, denn sie durchbohrt haben (Ps 22,17), dessen Kleider verteilt wurden (Ps 22,19) und über den sich die Leute am Kreuz lustig gemacht haben (Ps 22,8) und ihn lästerten (Ps 22,9), ihn den Gekreuzigten und Auferstandenen verkünden wir der ganzen Welt (Ps 22,23)

 

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