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Mt Kap. 05 (13-48)

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Matthäus-Evangelium Kap. 5

• über Salz und Licht 5,13-16
• über das Gesetz 5, 17-20
• über den Zorn 5,21-26
• über die Begierde 5,27-30
• über die Scheidung 5,31-32
• über das Schwören 5,33-37
• über die Rache 5,38-42
• über die Feindesliebe 5,43-48

Ihr seid das Salz der Erde. Mt 5:13

Ihr seid das Licht der Welt. Mt 5:14

Die Seele der Bergpredigt lässt sich nicht ohne diese zwei Sätze erschließen. Das ist keine Forderung, sondern eine Seinszusage. Jesus sagt nicht, dass wir Salz und Licht werden sollen oder es haben, sondern wir sind Salz und Licht in der Kraft seines Rufes und der Nachfolge. Wir sind es nicht, weil wir bessere Menschen sind, sondern weil wir in Verbindung mit Jesus stehen durch den Glauben. Durch diese Seinszusage zieht uns Christus in seine Wirksamkeit auf der Erde hinein, ja, so wie Salz und Licht unersetzlich für das Leben sind, so sind wir für sein Leib unersetzlich.

Begreife, welche Würde dir Christus in diesen Worten zuspricht und lass dieses Begreifen dieser Würde fruchtbar werden in deinem Leben. Wir sind Salzmenschen und Lichtmenschen durch ihn!


Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, so werdet ihr gar nicht in das Reich der Himmel eingehen! Mt 5:20

Du und ich, wir tun bestimmt täglich das ein oder andere gute kleine oder große Werk, die sog. gute Tat bei der Arbeit, in der Familie oder sonstwo. Unser Salz- und Lichtsein durch ihn rückt aber diese Werke ins rechte Licht: er wirkt durch uns in dieser Welt, wir vollbringen gute Werke, die er für uns vorbereitet hat. Keines unserer Werke macht uns vor Gott gerecht. Wir sind vor Gott gerecht durch Jesus Christus! In ihm übertreffen wir weit jegliche menschliche Gerechtigkeit. Das besondere an dieser Gerechtigkeit ist, dass zwischen uns und den Forderungen des Gesetzes die Person Jesu steht. Er selbst als der Gekreuzigte ist die vollkommene Erfüllung des Gesetzes.

Hüte wir uns davor, uns auf unsere guten Taten etwas einzubilden. Lob und Ehre allein für Christus!


Wer aber einen Mord begeht, muss vor ein Gericht gestellt werden. Doch ich sage euch: Schon wer auf seinen Mitmenschen zornig ist, gehört vor Gericht. Mt 5:21‭-‬22

Aufgrund der Menschwerdung Christ ist der Dienst an Gott nicht mehr vom Dienst an Nächsten zu lösen. Denn in der Menschwerdung wird Christus Bruder aller. Er identifiziert sich so sehr mit uns, dass alles, was wir dem Nächsten tun, sei es nun gut oder böse, ihm tun. Dem Nachfolger Jesu ist das Leben des Nächsten zur Grenze gesetzt. Zorn oder böse Worte verletzen diese Grenze, sie sind ein Stoß nach seinem Herzen. Einfache Worte, die oft schwer umzusetzen sind. Es ist ein schwerer Weg, den Jesus seinem Nachfolger zumutet. Er ist mit viel Demut verbunden. Aber es ist ja der Weg zu ihm, dem gekreuzigten Bruder, und darum ein gnadenvoller Weg. Was für eine Bedeutung hat das für unseren Alltag?!


Wenn du also deine Opfergabe zum Altar bringst und dir fällt dort ein, dass jemand dir etwas vorzuwerfen hat, dann lass dein Opfer am Altar zurück, geh zu deinem Mitmenschen und versöhne dich mit ihm. Erst danach bring Gott dein Opfer dar. Mt 5:23‭-‬24

Dein Opfer, dein Gottesdienst, dein Gebet wird Gott nicht gefällig sein können, wenn du im Streit bist. Der korrekteste Gottesdienst, das frömmste Gebet, das tapferste Bekenntnis kann nicht helfen, wenn dieser Weg der Versöhnung fehlt. Gott will sich von unseren Geschwistern nicht trennen lassen. Der Vater lässt sich nicht von seinem Sohn trennen, nun will er sich auch von denen nicht trennen lassen, denen sein Sohn gleich wurde, um derentwillen sein Sohn Schmach trug. Er will nicht geehrt sein, wenn ein anderer entehrt wird.

Wenn dich jemand beschuldigt, frage dich als Erstes: Hat er Recht? Wenn er Recht hat, geh und entschuldige dich bei ihm. Wenn er nicht Recht hat, dann nimm die erfahrene Verletzung in beide Hände, lass sie nicht los, sondern ergreife die Gelegenheit und gib sie als Opfer Jesus. Freue dich, dass du Ihm etwas Wertvolles zu geben hast! Mutter Teresa


Ihr wisst, dass es heißt: Du sollst nicht die Ehe brechen! Doch ich sage euch: Schon wer eine Frau mit begehrlichen Blicken ansieht, der hat im Herzen mit ihr die Ehe gebrochen. Mt 5:27‭-‬28

Christus ist der Herr der Ehe. Darin liegt ihre Heiligung. Sie ist von Gott gestiftet und dient zur gegenseitigen Beglückung. Der eigene, lustbeherrschte Wille hat hier keinen Platz. Und dennoch wissen wir leider nur zu gut, ob es nun der Zorn ist oder begierliche Blicke, dass dies schlichtweg unmöglich ist, immer und überall zu erfüllen. Auch wenn uns diese Verse aufrufen, unseren Begierden nicht freien Lauf zu lassen und uns in der Tugend der Selbstbeherrschung zu üben, geht es hier im Kern um etwas viel Tieferes: die Erkenntnis mit Herz und Verstand, dass wir voll und ganz auf die erlösende Gerechtigkeit durch Christus angewiesen sind – das ist die Seele der Bergpredigt, ohne die kein Vers für sich erfasst werden kann.


Sag einfach Ja oder Nein. Alle anderen Beteuerungen zeigen nur, dass du dich vom Bösen bestimmen lässt. Mt 5:37

Jesus wendet sich hier gegen ein damalige Sitte: Man war bei bestimmten Formulierungen nicht an die Wahrheit gebunden. Damit ging die Verharmlosung der Lüge einher. Auch heute geht mit kleinen Notlügen oder ein bissel Flunkern diese Verharmlosung weiter. Es gibt aber keine Wahrheit Jesus gegenüber ohne Wahrheit den Menschen gegenüber. Die Lüge zerstört die Gemeinschaft. Es gibt keine Nachfolge Jesu ohne das Leben in der aufgedeckten Wahrheit vor Gott und den Menschen. Weil es überhaupt kein Wort gibt, das nicht vor Gott gesprochen wäre, darum soll der Jünger Jesu nicht schwören. Jedes seiner Worte soll nichts als Wahrheit sein.


Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein! Mt 5,37

Gerne wollen wir es allen Recht machen. Dem Partner, dem Freund, dem Chef, den Eltern, den Kindern und und und. Wir wollen nicht als Egoisten gelten und jeder soll sagen: “Man du bist echt ein super Mensch.” Und so tun wir hier was und da was, um das Bild möglichst perfekt zu machen. Die Gefahr besteht darin, dass ich bis zuletzt, das Leben der anderen lebe. LEBE DEIN LEBEN. Auch auf die Gefahr, dass du aneckst. Rechne damit, dass andere dich überreden versuchen, dies oder das zu tun. Ich kenne das von der Schule. Das heisst nicht, dass ich zu allem nein sage, aber ich sage auch nicht zu allem Ja. Ich wähle bewusst und eigenverantwortlich.


Doch ich sage euch: Leistet keine Gegenwehr, wenn man euch Böses antut! Mt 5:39

Es wäre Schwärmerei und unverantwortliches Fantasieren, wenn wir den Satz, dass das Böse allein durch das Gute überwunden wird, als ethisches Programm verstehen. Wehrlosigkeit als Prinzip des weltlichen Lebens ist Zerstörung von Gottes Welt. Hier aber redet Jesus, der selbst von dem Bösen am Kreuz überwunden wurde und der aus dieser Niederlage als der Sieger hervorging. Es kann daher keine andere Rechtfertigung dieses Gebotes Jesu geben als sein eigenes Kreuz. Allein wer in diesem Kreuz Jesu den Glauben an den Sieg über das Böse findet, kann diesem anspruchsvollen Gebot gehorchen keine Rache zu üben. Wenn ich in meinem Herzen Groll spüre über etwas, das mir jemand angetan hat, und ich mich rächen will, dann entfernt mich das vom Weg zur Heiligkeit

Im Kreuz allein ist es wahr und wirklich, dass die Vergeltung und Überwindung des Bösen die leidende Liebe ist. Bonhoeffer


Beispiele und deren Hintergründe

Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin! (Mt 5,39): Schlimmste Beleidigung früher war die Ohrfeige, da diese die Ehre angegriff. Unsere Ehre aber kommt allein von Gott, so dass wir getrost auch die andere Wange hinhalten können.

Wenn einer dich vor Gericht bringen will, um dein Hemd zu bekommen, so lass ihm auch noch den Mantel! (Mt 5:40): Wer damals bei einem Gerichtsverfahren nicht bezahlen konnte, musste per Gericht auch sein Hemd geben, niemals aber den Mantel, da dieser bei den armen Leuten als Bettdecke diente.

Wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei Meilen mit ihm! (Mt 5:41): Jeder Römer konnte Zivilisten auffordern eine Meile sein Gepäck zu tragen.

Das Verbindende: Das Übel geht vorüber, indem es getragen wird. Das Übel findet sein Ende, indem wir es wehrlos über uns ergehen lassen.


Ihr wisst, dass den Vorfahren auch gesagt wurde: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Mt 5:38

Dieses Prinzip gilt nicht mehr in der Nachfolge Jesus. Das Böse wird darin ohnmächtig, dass es keinen Gegenstand, keinen Widerstand findet, sondern willig getragen und erlitten wird. Die Überwindung des Anderen erfolgt dadurch, dass sein Böses sich totlaufen muss, dass es nicht findet, was es sucht, nämlich Widerstand und damit neues Böses, an dem es sich umso mehr entzünden könnte. Hier stößt das Böse auf einen Gegner, dem es nicht mehr gewachsen ist. Das Böse kann hier sein Ziel nicht erreichen, Böses zu schaffen, es bleibt allein. Das willige Leiden ist stärker als das Böse, es ist der Tod des Bösen.


Liebt eure Feinde. Mt 5,44

Wer ist dein Feind? Feind kommt vom althochdeutschen “fiant”, was “Hass” bedeutet. Viele von uns haben “Gott sei Dank” keinen, den sie hassen. Aber du hast sicher Menschen, die du nicht unbedingt magst, die dich “nerven”. Liebe bedeutet für mich hier, immer wieder in der Kraft Gottes ein Gegengewicht zur Abneigung auf zu bauen. Es ist schwer, aber es geht: den anderen segnen, ihm Gutes wünschen, nicht über ihn mit Dritten lästern u.v.m. Gleiches mit Gleichem vergelten – das ist nicht der Wille Gottes. Dem Haß mit Liebe begegnen – das ist der Wille Gottes, so beschreiten wir den Weg der Heiligkeit, den Gott für jeden für uns vorgesehen hat.

Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig. Lev 19,2


Liebt eure Feinde Mt 5,44

Vom Feind ist die Rede, der Feind bleibt, ungerührt von meiner Liebe, der mir nichts vergibt, wenn ich ihm alles vergebe, der mich hasst, wenn ich ihn liebe, der mich umso mehr schmäht, je ernster ich ihm diene. Aber nicht danach soll die Liebe fragen, ob sie erwidert wird, vielmehr sucht sie den, der ihrer bedarf. Wer aber ist der Liebe bedürftiger als der, der selbst ohne alle Liebe im Hass lebt? Wer ist also auch der Liebe würdiger als mein Feind? Wo wird die Liebe herrlicher gepriesen als mitten unter ihren Feinden? Diese Liebe macht den Jünger sehend, dass er im Feind den Bruder erkennt, dass er an ihm handelt wie an seinem Bruder. Bonhoeffer


Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen. Mt 5:44

Der Herr weiß sehr wohl, dass die Feindesliebe unsere Möglichkeiten überschreitet, doch dafür ist er Mensch geworden: nicht um uns so zu lassen, wie wir sind, sondern um uns in Männer und Frauen zu verwandeln, die zu einer größeren Liebe fähig sind, der Liebe seines und unseres Vaters. Das ist die Liebe, die Jesus denen schenkt, die ihm „zuhören“. Und dann wird es möglich! Dank seiner Liebe, dank seines Geistes können wir auch die lieben, die uns nicht lieben, selbst diejenigen, die uns Böses antun. Franziskus


Betet für die, die euch verfolgen! Mt 5:44

Das ist das Äußerste. Im Gebet treten wir zum Feind, ja zu jedem Menschen in unserem Umfeld, mit dem wir Probleme haben. Wir treten an seine Seite, wir sind mit ihm, bei ihm, für ihn vor Gott im fürbittendem Gebet. Nun nehmen wir seine Not und Armut, seine Schuld und Verlorenheit mit auf uns, treten vor Gott für ihn ein. Wir tun stellvertretend für ihn, was er nicht tun kann. Jeder seiner Beleidigung oder Verletzungen wird uns nur näher mit Gott und mit diesem Menschen verbinden. Jede Verfolgung kann nur dazu dienen, dass dieser Mensch der Versöhnung mit Gott näher gebracht wird, dass die Liebe unüberwindlicher wird. Die Liebe, ja die Liebe!

Bete heute für einen Menschen, der dir nicht nahe steht, der dir evtl. zuwider ist, wo du viel Negativität spürst.


Wenn ihr nur euren Freunden liebevoll begegnet, ist das etwas Besonderes? Das tun auch die, die von Gott nichts wissen.Mt 5:47

Was ist der Sieg der Liebe? Dass sie niemals danach fragt, was ihr jemand antut, sondern allein danach fragt, was Jesus getan hat, der die Liebe selbst ist. Die Liebe zu ALLEN (!) Menschen führt uns in der Nachfolge Jesu immer zu ihm, den Gekreuzigten. Je näher wir an und in ihm leben, immer wieder und immer öfter am Tag mit ihm uns verbinden durch Stoßgebete u.ä., desto gewisser überwindet unsere Liebe den Hass, denn es ist ja nicht unsere eigene Liebe, die hier wirkt. Sie ist ganz allein die Liebe Jesu Christi, der für ALLE (!) Menschen ans Kreuz ging. Darin macht uns die Liebe Jesus sehend, dass sie auch den Feind eingeschlossen sieht in die Liebe Gottes, dass sie den Feind unter dem Kreuz Jesu Christi sieht.


Ihr aber sollt in eurer Liebe vollkommen sein, wie es euer Vater im Himmel ist. Mt 5:48

Was ist vollkommene Liebe? Liebe, die sich nicht parteiisch denen zuwendet, die uns ihre Gegenliebe schenken. Das Ausserordentliche Christliche ist der Weg der Selbstverleugnung, der Weg völliger Liebe, völliger Reinheit, völliger Wahrhaftigkeit, völliger Gewaltlosigkeit, die Liebe zum Feind, die Liebe zu dem, der keinen liebt und den keiner liebt. Das Ausserordentliche Christliche ist die Liebe Jesu Christi selbst, die leidend und gehorsam ans Kreuz geht. Das Ausserordentliche Christliche ist das Kreuz, das den Christen über-die-Welt-hinaussein lässt und ihm darin den Sieg über die Welt gibt.

Das Leiden in der Liebe des Gekreuzigten, das ist das Außerordentliche an der christlichen Existenz.


Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist! Mt 5:48

Die Erlangung der Heiligkeit Gottes ist deine ständige Lebensaufgabe. Darauf müssen alle deine Gedanken, Worte und Werke, deine Leiden und alle Bestrebungen deines Lebens gerichtet sein; sonst widerstehst du Gott, indem du nicht den Zweck erfüllst, zu dem er dich erschaffen und bis auf diesen Augenblick erhalten hat. Welch erhabene Aufgabe! Der Staub soll verwandelt werden in Licht, der Schmutz in Reinheit, die Sünde in Heiligkeit, das Geschöpf in seinen Schöpfer und der Mensch in Gott! Welch wunderbares Werk! Aber ein Werk, schwierig in sich selbst und unmöglich für unsere rein natürlichen Kräfte. Gott allein kann dich durch seine Gnade und zwar nur durch eine überfließende außerordentliche Gnade zu diesem Ziele führen. Die Schöpfung der ganzen Welt ist ein Meisterwerk, aber nicht so groß, wie dieses Werk der Gnade. […] O Seele, was wirst du tun, welches Mittel wirst du wählen, um die Höhe zu erreichen, auf die dich Gott beruft? Die Mittel des Heils und der Heiligung sind jedermann bekannt; im heiligen Evangelium sind sie verkündet, erklärt von den Lehrern des geistlichen Lebens, geübt von den Heiligen und notwendig für alle, welche ihre Seele retten und zur Vollkommenheit gelangen wollen. Es sind die Demut des Herzens, das beständige Gebet, die allseitige Abtötung, die Hingabe an die göttliche Vorsehung und die Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes. Ludwig-Maria Gringnion de Montfort

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